Folia Theologica 17. (2006)

Imre Koncsik: Künstliche Intelligenz - was kann die Dogmatik zur Diskussion beitragen?

72 I. KONCSIK stemtheoretischen Parametern und Randbedingungen der Genese der Kirche und verwechseln eine mögliche Partialbe­schreibung der Kirche mit ihrer universalen und pluriformen Strukturierung16. Hierher fallen auch nationalkirchliche Kon­zeptionen, denen eine instrumentalisierende Reduzierung der inhaltlichen Substanz der jeweiligen Konfession oder Re­ligion auf pragmatisch-politische Motive gemein ist17 - und ebenso staatskirchliche Entwürfe18. Zudem sind auch anthro­pologische und transzendentale Reduktionen der Kirche ge­meint19.- Modell 2: Pluralistische Religionstheologie ( = PRT): die Plurali­stische Religionstheologie bestreitet die Einzigkeit der Heils­mittlerschaft Christi sowie alle damit gegebenen Appropiatio- nen an das gottmenschliche Sein Jesu: Gott ist nicht inkarna­16 Es ist nicht zuletzt das Verdienst von KIERKEGAARD, S., Der Augenblick. Aufsätze und Schriften des letzten Streits (Ges. werke), Düsseldorf-Köln 1959, bes. 44f; 51, an den eigentlichen Konstitutionskern der Kirche im Sinn der existentiellen Entscheidung zu erinnern, wodurch jedwede ekklesiologi- sche Verflachung Lügen gestraft wird. - Ähnlich übrigens GUARDINI, R., Vom Sinn der Kirche. Fünf Vorträge, 1922, 41955, bes. 19.24.48. Ob freilich die konkrete Kirche aus der Korrespondenz der “Konkretheit der Anforde­rung Gottes an mich“ (so etwa bei RAHNER, K., Grundkurs des Glaubens. Einführung in den Begriff des Christentums, Freiburg-Basel-Wien 1976, 337) existentiell abgeleitet werden kann, bleibt fraglich. 17 Wohl dagegen hat sich bereits Augustinus, Gottesstaat, XX. Buch (BKV 28 (1916) 261 - 352, bes. 286f (=XX, 9)) verwehrt. Doch folgt aus der augustini- schen Differenz zwischen sichtbarer und unsichtbarer Kirche keine plurali­stische Konzeption, welche die unsichtbare Kirche ebenso in mehrdeutiger Indifferenz aufzulösen droht wie ihre sichtbare Konkretion. Ebenso wenig folgt hieraus eine lutherische Nivellierung der sichtbaren Kirche, insofern ihr stets notwendig eine Nivellierung der unsichtbaren, unidentifizierbar gewor­denen Kirche korrespondiert (vgl. die reduktionistische Bestimmung der „no­tae ecclesaie“ etwa in WA 50, 488-653; Dt.: Martin Luther, Ausgewählte Schriften (Insel-Ausgabe Bd. 5), 181-221). 18 Vgl. etwa die staatskirchlichen Tendenzen beim Kulturprotestantismus (ROT­HE, R„ Dogmatik, 2. Teil 2. Abt., hg. von D. SCHENKEL, Heidelberg 1870), wonach sich die Kirche sukzessiv in den Staat auflösen soll, um dadurch die Botschaft Jesu universal zu machen (bes. 41-46) - nach dem Motto: Staatskir­che nein, Kirchenstaat ja! 19 Ähnlich RAHNER, K., Grundkurs des Glaubens. Einführung in den Begriff des Christentums, Freiburg-Basel-Wien 1976, 313f, der von einer anthropolo­gischen und transzendentalen Notwendigkeit der Kirche spricht, um dadurch der Gefahr der einseitigen Ableitung der Kirche zu begegnen.

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