Folia Theologica 17. (2006)

Imre Koncsik: Künstliche Intelligenz - was kann die Dogmatik zur Diskussion beitragen?

68 I. KONCSIK Gott zur Offenbarung entschließt, dann wird er für die Identifizier- barkeit und Ausstattung seiner Kirche adäquat, also der faktischen menschlichen Situation angemessen, Sorge tragen. - Schließlich fal­len subjektiv aufgeladene metaphysische Wertungen geschichtlicher Ereignisse ins Gewicht, welche aus einer direkten göttlichen Urhe­berschaft deduziert werden. Ebenfalls die persönlich variierende Valenz geschichtlicher Ereignisse betreffenden Argumente bezie­hen sich auf konkrete Ausgestaltungen der Kirche, etwa hinsicht­lich der Frage nach den wahren Sakramenten oder nach ihren divin fundierten Vollmachten. Persönliche Wertungen resultieren stets aus Glaubensaxiomen, d.h. dem nur partiell, präziser: analog objektivierbaren persönli­chen Akt des Vertrauens in die mittelbare oder unmittelbare Wir­kung Gottes. Der Glaubensakt richtet sich u. a. auf die Frage: wie nahe kann Gott dem Menschen kommen? Wie konkret darf Gott wirken? Was an möglichen unmittelbaren Wirkungen widerspricht der Gottheit Gottes, was entspricht ihnen? Als formale Kulmination solcher personaler Ganzhingabeakte kann die Frage nach der zuge­trauten Einheit und Einigung von Gott und Schöpfung und insbe­sondere von Gott und Mensch genannt werden6; aus einer präfi- xierten und intuitiv vorausgesetzten Antwort resultieren die Be­stimmungen des (auch ekklesialen) Modus dieser gottmenschlichen Union. Letztlich strebt nicht nur jede Konfession, sondern jede Re­ligion nach einer individuell befriedigenden, weil befriedenden Lö­sung, die weder trivial noch optimal, sondern ideal zu sein hat. Der inhaltliche Maßstab der gewonnenen Lösung liegt im einheit­lich-different realisierten Sein des Menschen und dessen mehr oder weniger gelingenden Versuch, sich mit dem eigenen Sein und mit dem Sein der anderen Seienden angesichts seiner initial und a prio­ri gesetzten Differenz zu ihnen positiv zu einigen - wobei diese physische, geistige und existentielle Einigung motiviert und fun­diert wird durch das im individuellen Seins-Vollzug stets miterfah­renen Sein Gottes: der formal gesuchten Einheit und Einigung ent­6 Dogmatisch wird demnach unmittelbar christologisch angesetzt werden müs­sen im Sinn einer impliziten Christologie, also unter maximaler Ausblendung existentiell und intuitiv getroffener Glaubensaxiome. Konkret erfolgt das durch die Formulierung logisch konsistenter Postulate universaler und re- stritktiver resp. eindeutiger Gültigkeit.

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