Folia Theologica 17. (2006)

Imre Koncsik: Künstliche Intelligenz - was kann die Dogmatik zur Diskussion beitragen?

DIE SUCHE (NACH) DER WAHREN KIRCHE 67 ekklesiologischer Sicht bestehende Randthemen bedürfen dogma- tologisch-wissenschaftlicher Reflexion zwecks Zuführung zu einer angemessenen, sprich: konsensfähigen Lösung: sie hängen von den Rahmenbedingungen ab, innerhalb derer dogmatologisch fundier­te, konkrete Gestaltungsempfehlungen gegeben werden können. Ein objektiv, d.h. ohne Rekurs auf spezifische und meist konfes­sionelle Glaubensaxiome unentscheidbares Problem ist daher die ökumenisch latent anvisierte Frage nach dem eigentlichen „Ort" der wahren Kirche. Als Argumente für die Gegebenheit einer wah­ren Kirche werden historisch verifizierbare und somit stets kontin­gente Proprietäten einer „wahren" Kirche samt lückenloser „Heils­biographie" genannt: hierunter fallen der Verweis auf die apostoli­sche Sukzession, der Rekurs auf eine bestimmte historisch vergan­gene Struktur der „Ur-Kirche" oder auf eine mehr oder weniger ex­akt bestimmbare Sammlung von zu bestimmten Zeitpunkten abge­fasster Dokumente des damals herrschenden ekklesialen Glaubens (=die Heilige Schrift). Oder es werden transzendental ausgerichtete Argumente genannt, etwa der ebenfalls geschichtlich fixierte Inhalt des apostolischen Zeugnisses und seiner relativen Identität mit der jeweiligen Gegenwartskirche. Auch kommen philosophische und „lo­gische" Plausibilitätsargumente zum Zug, etwa wenn aus Glaubensa­xiomen lineare Ableitungen gezogen werden. Als Beispiel sei fol­gende Aussage in Anlehnung an Newman genannt5: wenn sich tige Heiligung der Kirche sowie das andere Leben im Himmel; die Formalur­sache ist die Einheit des mystischen Leibes mit Christus. Die Elemente kirch­licher Einheit entspringen folglich aus der Einheit des Hauptes (Christus), des Glaubens, des Taufsakramentes, der gemeinsamen Tugenden von Glaube, Hoffnung und Liebe, sowie der ewigen Freude und des faktischen Vorstehers (Papst). - Doch kann überhaupt Kirche hinreichend eindeutig identifiziert werden? Entzieht sie sich nicht aufgrund ihrer unendlichen Wurzel einer ein­deutigen Identifikation? 5 Nach NEWMAN, J. H., Über die Entwicklung der christlichen Lehre (WW VIII), Mainz 1969, bes. 89. Ein strukturgleicher logischer Ansatz liegt auch in der Ableitung des (sakramental-)ekklesiologisch bedeutsamen „inkarnato- rischen Prinzips“ nach Scheffczyk vor: aus einem Glaubensaxiom (=Inkarna- tion) wird ein generalisierter Schluss im Form einer All-Aussage gezogen. Die Legitimation dazu ergibt sich nicht nach der Form einer klassischen theo­logischen Konklusion, sondern durch die subjektive Auswertung und Bewer­tung eines offenbarungstheologischen Axioms, das „entsprechende“, also uni­versale Gültigkeit beanspruchen sollte. Vorausgesetzt werden demnach nega­tiv die Nicht-Isolierbarkeit und positiv die Einbettung dogmatischer Offenba­rungsaxiome in das Gesamtsystem der rational entdeckbaren Wahrheiten.

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