Folia Theologica 17. (2006)

István Pákozdi: Zur Theologie des Ablasses

ZUR THEOLOGIE DES ABLASSES 163 Martin Luther nahm nicht so sehr an der Theologie des Ablasses Anstoß, als vielmehr an dessen praktischer Anwendung. In seinen 95 Thesen, deretwegen er 1517 in Rom angeklagt und vorgeladen wurde, formuliert er wie folgt: „Die Ablässe sind ein gnädiger Betrug gegenüber den Gläubigen und stellen eine Hintansetzung der guten Wer­ke dar, sie gehören in die Reihe der Dinge die erlaubt sind, und nicht in die Reihe derer, die nützlich sind". Luther beruft sich auf 1 Kor 6,12: „Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles nützt mir." Es ist offensichtlich, dass Paulus hier in einem ganz anderen Zusammenhang spricht. „Für die sechs Arten der Menschen sind die Ablässe weder notwendig noch nützlich, d. h. für die Toten oder Sterben­den, für die Kranken, für die gesetzlich Verhinderten, für die, die keine Sünden begangen haben, für die, die Sün­den begangen haben, jedoch keine öffentlichen, für die, die nach Besserung streben",- behauptet Luther.4 Davon trifft aber nur zu, dass für denjenigen der Ablass tatsächlich überflüssig ist, der überhaupt keine Sünde begangen hat. Unter den Beschlüssen des Tridentinums findet man auch einen Entscheid, der den Ablass behandelt. „Schon seit frühesten Zeiten hat die Kirche über diese von Gott erhaltene Macht verfügt". Das Konzil beruft sich auf die in Mt 16.19 beschriebene, Petrus ver­liehene lösende und bindende Macht sowie auf die Ausweitung eben dieser Macht auf alle Apostel (Mt 18,18). Lehre und Anord­nung des heiligen Konzils besagen, dass die Ablasspraxis, die für das Christenvolk besonders heilbringend und durch die Autorität des heiligen Konzils verbürgt ist, in der Kirche lebendig gehalten werden soll. All die aber sollen exkommuniziert werden, die die Ablässe als nutzlos bezeichnen oder der Kirche die Macht abstrei­4 Ds. Bulle „Exsurge Domine“ von Papst LEO X., 15.Juni 1520, DS 1468, 1472, zitiert nach H. DENZINGER - P. HÜNERMANN, Hitvallások és az Egyház tanítóhivatalának megnyilatkozásai, Örökmécs - Szent István Társulat Budapest 2004, S.368

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