Folia Theologica 17. (2006)
Imre Koncsik: Künstliche Intelligenz - was kann die Dogmatik zur Diskussion beitragen?
DIE SUCHE (NACH) DER WAHREN KIRCHE 111 bei den Heiden... durch eine Art von verborgener Gegenwart Gottes" (AG 9). Heilselemente werden strikt unterschieden von dem einen Heilsweg bzw. Erlösungsweg101. Weiterführend lässt sich fragen: Inwiefern impliziert jedoch die Konvergenz differenter Wege ihre Komplementarität? Korrespondiert nicht einer möglichen faktischen Rettung zumindest ein konkreter, faktisch von Gott selektierter Heilsweg? Wie steht es um die Einheit von objektiven und subjektiven Gnadengaben, interner und externer Gnade in anderen Religionen? Man denke da an folgende Stellungnahme der Internationalen Theologischen Kommission: „Es wäre kaum denkbar, dass das vom Heiligen Geist in den Herzen der einzelnen Menschen Bewirkte eine Heilsrelevanz hätte, aber das vom selben Heiligen Geist in den Religionen und Kulturen Bewirkte nicht. Die neueren Äußerungen des Lehramtes scheinen eine so krasse Unterscheidung nicht zu erlauben."102. Dennoch besteht eine Differenz zwischen den anderen religiösen Vollzügen und den Sakramenten der katholischen Kirche. Doch wie kann sie ekklesiologisch — komplementär zu einer sakramententheologi- schen Argumentation - expliziert und fundiert werden? Dabei wird lehramtlich die Einzigkeit der Heilsmittlerschaft der Catholica emphatisch akzentuiert: Die Kirche ist das „allumfassende Heilssakrament" (LG 48); es gilt, „dass die pilgernde Kirche zum Heile notwendig sei" (LG 14). Doch wird aufgrund der sakramentalen Verfassung der Kirche ihre Heilsnotwendigkeit als instrumenteile und nicht als absolute Notwendigkeit verstanden - in Analogie zum „Votum" auf ein Sakrament ohne seinen expliziten Vollzug. Ungeklärt bleibt die Frage, ob und wenn ja, dann inwiefern ein „Votum" fürs Heil von einem Votum für die Kirche different sein kann - zunächst nur dann, wenn auch ein solches Votum für die Kirche nicht willentlich und aktuell ausgeschlossen werden darf. Jedenfalls erstreckt sich die 101 Vgl. Dominus Jesus, 8. 21 f. (Kongregation für die Glaubenslehre, Erklärung Dominus Iesus: über die Einzigkeit und die Heilsuniversalität Jesu Christi und der Kirche (6. August 2000). Hrsg.: Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, Bonn 2000 (Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls, 148) 102 Internationale Theologische Kommission, Das Christentum und die Religionen (30. September 1996), in: Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz (Hg.), Arbeitshilfen 136, 84