Folia Theologica 17. (2006)
Imre Koncsik: Künstliche Intelligenz - was kann die Dogmatik zur Diskussion beitragen?
DIE SUCHE (NACH) DER WAHREN KIRCHE 107 werden. Diesbezüglich wäre eine konfessionelle Verschiedenheit von ihrer Wurzel her negativ konnotiert. Wird jedoch in und angesichts der Gefallenheit auf die faktische Erlösung reflektiert, so kann im Tod, der in der Destruktion der Einheit der Kirche Christi hegt, bereits das überstark anhebende Walten Gottes erblickt werden: Gott lässt nicht nur den Tod seines Sohnes zu, sondern auch den partiellen Tod der Einheit seiner Kirche, um eben diese „Reste" von Tod positiv zu überwinden. In dieser Hinsicht wiederum erscheinen ökumenische Bemühungen als das permanente Gebot des Herrn, dem gegenüber seine Jünger in ihrem ureigenen Gewissen Rechenschaft abzulegen haben. Das Gewissen gegenüber Gott splittet sich auf in a) ein Gewissen gegenüber der Einheit der Kirche als antizipatorische Realisation der Gemeinschaft der Heiligen und b) ein Gewissen gegenüber der Einheit des bekannten Glaubens, die es um den Preis der Wahrhaftigkeit mit wachem Blick zu wahren gilt. Die Störung der Einheit der Kirche des Herrn ist demnach Resultat der Schwächung a) der Vernunft, welche die Einheit des Glaubens nicht hinreichend erkennen kann, und b) des Willens, welcher die Einheit mit den anderen nicht mehr vollziehen will. Die Berufung auf den göttlichen Beistand ist den konfessionellen Parteien meistens gemein, so dass sich bezüglich der dialogisch realisierten divinen Referenzinstanz keine Lösung der Wahrheit und somit Einheit der Kirche ergeben kann. So kann katholisch etwa die bekannte Aussage formuliert werden: „Die einzige Kirche Christi ... zu weiden, hat unser Erlöser nach seiner Auferstehung dem Petrus übertragen, ihm und den übrigen Aposteln hat er ihre Ausbreitung und Leitung anvertraut... Diese Kirche, in dieser Welt als Gesellschaft verfasst und geordnet, ist verwirklicht in [subsistit in] der katholischen Kirche, die vom Nachfolger des Petrus und von den Bischöfen in Gemeinschaft mit ihm geleitet wird" (LG 8). Denn ohne Einheit ist keine Wahrheit und auch keine wahre Kirche denkbar. Und ohne die bereits „übernatürlich" realisierte Einheit könnte die Einheit der Kirche nur noch ideell und somit auf „natürlich" geschwächte Weise erkannt werden. Hierbei handelt es sich um einen Zirkelschluss: die Einheit der katholischen Kirche ist übernatürlich konstituiert97, weil sie 97 Es gilt daher, „dass dieses heilige Anliegen der Wiederversöhnung aller Christen in der Einheit der einen und einzigen Kirche Christi die menschlichen