Folia Theologica 17. (2006)
Imre Koncsik: Künstliche Intelligenz - was kann die Dogmatik zur Diskussion beitragen?
108 I. KONCSIK nur in ihr ganz gegeben ist: „Nur durch die katholische Kirche Christi, die allgemeine Hilfe zum Heil ist, kann man die ganze Fülle der Heilsmittel erlangen. Denn einzig dem Apostelkollegium, dem Petrus vorsteht, hat der Herr, so glauben wir, alle Güter des Neuen Bundes anvertraut, um den einen Leib Christi auf Erden zu bilden, dem alle völlig einverleibt werden müssen, die schon auf irgendeine Weise zum Volke Gottes gehören" (UR 3). Sie ist in ihr nur ganz gegeben, weil sie nur hier übernatürlich konstituiert wird, was jedoch nur am gebrochen erkennbaren ideellen und natürlichen Maßstab festgemacht werden kann. Freilich kann der Zirkelschluss positiv als Ausdruck der Selbstevidenz der in ihr aufleuchtenden Einheit gesehen werden: die „natürliche", menschlich aktivierbare und die „übernatürliche", göttlich empfangene Erkenntnis der Einheit verifizieren sich gegenseitig, doch anti-parallel: die göttliche Stiftung der Einheit wird erkannt durch sich selbst, indem sie als Zielgrund der menschlichen Fähigkeit zur „Einigung" sich selbst mitteilt. Auf Seiten des Menschen vollzieht sich auf Basis eines apriorischen (wenn auch geschwächten) Urwissens um die Einheit die Einordnung der als geoffenbart vorgelegten und bezeugten Einheit durch andere Menschen; die Einordnung wiederum führt zu einer „Illumination" des eigenen Maßstabes der Einheit, indem die geoffenbarte Einheit analog zur natürlich erkannten Einheit ist; erst jetzt wird gnoseologisch zuletzt die ontologisch zuerst dem Menschen zugeschickte Einheit erkannt. Das wiederum setzt ein „Hören" der Einheit sowie ein „sich in die Einheit hineinstellen" voraus. Doch wird hiermit nur der Grund der möglichen Einsicht in die Wahrheit der einen Kirche beschrieben, nicht jedoch ihre Abbildung und verarbeitende Spiegelung in der menschlichen Vernunft. Sie benötigt auf jeden Fall „objektive", also transsubjektive formale Evidenzkriterien, um durch die prinzipielle Formalität ihrer verifizierenden Erfassung der Einheit (welche ja selbst wiederum nur ein formales Kriterium darstellt) die formale Richtigkeit ihrer materialen Wahrheit zu definieren. Eben darum wurden die genannten allgemein gültigen und auf natürliche Weise erkennbaren Kriterien Kräfte und Fähigkeiten übersteigt“. Darum setzen wir unsere Hoffnung „gänzlich auf das Gebet Christi für die Kirche, auf die Liebe des Vaters zu uns und auf die Kraft des Heiligen Geistes“ (UR 24).