Folia Theologica 17. (2006)

Imre Koncsik: Künstliche Intelligenz - was kann die Dogmatik zur Diskussion beitragen?

DIE SUCHE (NACH) DER WAHREN KIRCHE 105 rer Vollgestalt subsistieren. Die vollgestaltige Subsistenz wiederum bedeutet nicht die automatisierte Totalheiligkeit der katholischen Kirche, was nur eschatologisch möglich ist, sondern die permanent offene Vollständigkeit und sichere Abgeschlossenheit aller Dynamik göttlich begleitender Wirkung auf dem heilsgeschichtlichen Weg der Ekklesia durch Raum und Zeit. Aus der analogen Struktur der katholischen Kirche ergeben sich interessante Konsequenzen, die stichpunktartig genannt werden können: a) der Kirche kommt heilsökonomisch eine Pluripotenz und keine Omni- noch Multipotenz zu, woraus sich die Forderung ihrer distinkten und distributiven Pluriformität als Explikation der Ur-Einheit der himmlischen Gemeinschaft aller Menschen ergibt - und das in Abhebung zu einem divergierenden Pluralismus, in dem diese Ur-Einheit den inter- und intrareligiösen Differenzen geop­fert und die Pluripotenz nivelliert und herunterpotenziert wird; b) dem Prinzip der exklusiven Subsistenz (als Korrelat zur Exklusivität des o.g. maximalen Glaubensaktes) entspricht das päpstliche Pri- matsverständnis, das somit keine Selbstimmunisierung, sondern eine Immun-werdung kraft des göttlichen Beistandes (Vollmacht) impli­ziert; c) Ökumene ist aufgrund der generellen Analogie aller Men­schen zueinander ein ekklesiologisch konstitutives Postulat und eine Aufgabe kraft der Gabe exklusiver Subsistenz und zugleich kraft der proexistenten Relation zu anderen (katholische Imitation und produktive Umsetzung der Stellvertretung Christi: in Jesus erfolgt eine maximale Subsistenz Gottes in einem Menschen, kraft dessen erst alle Menschen mit Gott zur Einigung geführt werden können); d) die Heiligkeit der katholischen Kirche zeigt sich praktisch im Kri­terium der erfolgreichen Todesüberwindung ihrer sündigen Glieder. Appendix Der allgemeine lehramtliche Rahmen „Das heilige Geheimnis der Einheit der Kirche" (UR 2) beruht auf dem Werk Christi: „der menschgewordene Sohn hat durch sein Kreuz alle Menschen mit Gott versöhnt und die Einheit aller in ei­nem Volk und in einem Leib wiederhergestellt" (GS 78,3). „Der Hei­lige Geist, der in den Gläubigen wohnt und die ganze Kirche erfüllt

Next

/
Thumbnails
Contents