Folia Theologica 17. (2006)

Imre Koncsik: Künstliche Intelligenz - was kann die Dogmatik zur Diskussion beitragen?

104 I. KONCSIK graphien der Kirchenglieder „gebrochen" und analogisiert resp. differenziert. So wird die Subsistenz der Kirche in der katholischen Kirche erst in der Überschau ihrer kompletten raumzeitlichen Bio­graphie offenbar und zur Auswirkung gebracht: sie wird historisch mit-konstituiert. Neben der analogen Selbstexplikation der Kirche in der katholischen Kirche muss auf ihre unvollständige Selbstreali­sierung in heterogenen Expressionsmodi bzw. in anderen ekklesio- genen (und nicht ekklesialen) Gemeinschaften reflektiert werden, in denen mangels vollendeter Selbstbezüglichkeit auf den gott­menschlichen Grund auch nur eine defiziente Realisierung eben dieses Grundes angenommen werden muss94. Die „Subsistenz" der Kirche Christi in der katholischen Kirche bezieht sich demnach a) auf die Inhärenz des Leibes Christi als energetische Ur-Einheit aller kommunialen Gemeinschaften, b) auf die Konsequenz dieser Inhärenz in der katholischen Kirche. In ihr ist metaphorisch gesprochen das weiße Licht als weißes bewahrt (^Konsistenz des einen Heilswegs); in anderen Gemeinschaften je­doch wird die „Weiße" des Ur-Lichtes durch eine prävalente und darin negativ werdende Differenz zu diesem gebrochen ( = relative, nicht absolute Inkonsistenz von inordiniert assoziierten Heilsele­menten). Daher wird die christologisch initiierte Heilseinheit nicht „per se" gewahrt, sondern nur noch partiell durch ihre kumulative Relation zur katholischen Kirche realisiert. Die gottmenschliche Union subsistiert demnach in spezifischer und singulärer Weise in der katholischen Kirche. Sie wirkt jedoch zugleich „ad extra" gegenüber jedweder Unionsbestrebung durch Einstiftung generativer Relationen zu anderen gottmenschlichen Unionsbemühungen. So kann die katholische Kirche als deren anti­zipierte und proto-eschatologische Kausierung gelten. Denn: als „Leib Christi" ist sie die wirksame Inkarnation des Gottessohnes vermittelt durch den Geist, also im Modus geistiger Effizienz. Ihr Wirkungsradius wird nicht limitiert durch andere Religionen, son­dern ausgedehnt. Um jedoch diese konzentrierende und fokussie­rende Funktion überhaupt zu ermöglichen, muss sie singulär in ih­94 Den Vollendungsaspekt und somit die Vorläufigkeit auch der katholischen Kirche betont - entgegen Rahner (Anm. ) - Edward SCHILLEBEECKX, Gott, Kirche, Welt (Ges. Schriften, Bd. III), Mainz 1970, bes. 266f- und das unter einseitiger Berufung auf LG 9 und 14.

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