Folia Theologica 17. (2006)

Imre Koncsik: Künstliche Intelligenz - was kann die Dogmatik zur Diskussion beitragen?

102 I. KONCSIK chen Dynamik konform. Die „horizontale" und „vertikale" Ebene der Kirche sind nicht separierbar, sondern positiv und im konsti­tutiven Mit- und Auseinander (sic!) auf ihre Einheit hin dyna­misch differenzierbar89. Konsequenzen für die Ökumene aus katholischer Sicht Wie steht es dann mit der Wirkung der unsichtbaren Kirche in anderen Konfessionen und Religionen?90 Eine Subsistenz im Sinn einer garantierten Insubsistenz der „wahren Kirche" in der jeweili­gen Kirche bleibt aus Sicht der katholischen Kirche ausgeschlos­sen91, weil das mit der Relativierung ihrer universalen Heilsmittler­schaft sowie ihrer singulären Stellvertretungsfunktion „für andere" einhergehen würde92. Relativierung wiederum impliziert einen Modus an Nichtigkeit, welcher dem Glaubensaxiom der göttlichen 89 Aus dem „Auseinander“ folgt die Notwendigkeit der A/ü-Konstitution der metaphysisch „unsichtbaren“ Dimension der Kirche durch ihre sichtbare Wirklichkeit - entgegen einem einseitigen Konstitutionsverständnis „von oben nach unten“. Das entspricht der schlichten Tatsache, dass der Mensch am Reich Gottes aktiv mitarbeitet und entsprechende metaphysische „Wir­kungen“ zeitigt. 90 Zu aktuellen Kernfragen der Ökumene siehe Johannes Paul II, Versöhnung zwischen den Welten. Im Gespräch mit den Religionen, hg. und eingel. von Matthias Kopp, München u.a. 2004; OEDELMANN, J., Orthodoxe Kirche im ökumenischen Dialog. Positionen, Probleme, Perspektiven. Paderborn 2004; HELL, S.; LIES, L. (Hgg.), Amt und Eucharistiegemeinschaft. Ökumenische Perspektiven und Probleme, Innsbruck 2004 91 Daraus folgt die - gegen anglikanische Unionsvorstellungen geäußerte - Konsequenz, dass die Kirche nicht die schlichte Summe von Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften ist (Kongregation für die Glaubenslehre, Erklä­rung „Mysterium ecclesiae“ (1975) zur katholischen Lehre über die Kirche und ihre Verteidigung gegen einige Irrtiimer von heute, hg. von Lehmann, K., Trier 1975, 133). 92 Weil nur in Jesus Christus die ersehnte hypostatischen Union realisiert wird, weil die Kirche aufgrund ihres expliziten und rational nachvollziehbaren Be­zugs zu Jesus Christus diese Union gratial-sakramental realisiert, deswegen kann sie stellvertretend für alle anderen Sehnsüchte nach der großen gott­menschlichen Einigung integrativ nach dem Modus der horizontalen Analo­gie eintreten. Der Absolutheitsanspruch ist Garant der intra- und interreligiö­sen Ökumene unter Voraussetzung des Maßstabs der erreichten Nähe und des daraus resultierenden Vertrauens in Gott.

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