Folia Theologica 17. (2006)
Imre Koncsik: Künstliche Intelligenz - was kann die Dogmatik zur Diskussion beitragen?
DIE SUCHE (NACH) DER WAHREN KIRCHE 101 wissermaßen die ursprünglich positive Analogie, ohne sie jedoch entgegen anderen existentiell inspirierten Deutungen88 total aufzulösen. Sie bleibt formal und material bestehen. Formal ist das ekklesiale Informationsprinzip Jesus Christus, doch nicht unmittelbar er selbst, sondern hinsichtlich seiner Leiblichkeit resp. Partizipibalität durch andere. Leiblichkeit wiederum ist Folge der Inkarnation des ewigen Sohnes, woraus der Rückschluss auf die „Externalisierung" resp. „Exteriorisierung" des Gottessohnes relativ zur Schöpfung zwecks Gewährung von Teilnahme zulässig ist. Bezogen auf die systematische Ekklesiologie folgt hieraus der Modus des persistierenden Effektes des ewigen Wortes: die Kirche ist nicht Produkt einer „immanenten", sondern einer „heilsökonomischen" Wirkung und exakt in dieser Hinsicht ontologisch positiv und nichtig zugleich konstituiert. Positiv: sie verdankt ihre Existenz der göttlichen Gabe und real-sakramentalen Einstiftung in die Welt; nichtig: sie wird unter anderen Kontextbezügen (neue Schöpfung) „aufgehoben" bzw. in den wirkenden Ursprung hinein und darin zugleich zurück transmutiert - die himmlische Kirche ist different von der irdischen Ekklesia und Catholica. Material besteht eine Analogie zwischen dem konkreten Modus der hypostatischen Union angesichts der Schändung und des Todes des historischen Leibes Christi und der ekklesialer (gratialer und sakramentaler) Union. Inkorrekt sind demnach sowohl ein die Differenz überbetonendes nestorianisch-pelagianisch.es als auch ein die Identität exzessiv akzentuierendes monophysitisches Verständnis des Miteinanders von irdischer Kirche und ihrer metaphysischen christologischen Trägerschaft. Der „Logos" der Kirche ist der göttliche Logos; das „Sein" der Kirche ist das Sein des geschundenen und todgeweihten Leibes auf die sich immer neu bestätigende Realhoffnung auf Auferstehung hin. Somit bleibt die „ecclesia semper reformanda" (LG 8), weil immer neu „transmuta- ta": die Union der Kirche mit Christus bleibt der heilsgeschichtli88 Moltmann, J. (Der gekreuzigte Gott. Das Kreuz Christi als Grund und Kritik christlicher Theologie, München 1972, 30f) etwa lehnt die Kategorie der Analogie aufgrund der faktischen Negativität und Gefallenheit postulatorisch ab.