Folia Theologica 16. (2005)

Tamás Tóth: Clemens VIII. und der Lange Türkenkrieg in Ungarn

212 T. TOTH Kommandanten einsetzen muss, weil eben dort „das Leid und die Konfusion bemerkbar ist". „Langsam erlöscht das Lieht des Glaubens da­mit, dass die Bischöfe fehlen", und „die Häretiker haben solche Erbar­mungslosigkeit ausgeübt, wie sic die Türken nie gemacht haben".130 Es gab unter seinen diplomatischen Handlungen gewiss zwei „besondere Aktionen": ein Plan, um den Kapudan Pascha gegen den Sultan zu erheben, und eine persische Gesandtschaft. 3.3.1. „Ein perfekter Betrug": Der Plan Clemens' VIII. zu einer Erhebung gegen den Sultan in Konstantinopel J. P. Niederkorn gab dieses Urteil über die Tätigkeit der Familie Cicala131 ab, das man ihr bezüglich sogar auch noch als Lob verste­hen könnte. Der Held von Mezőkeresztes (1596), Cicala-Zade (oder Cigala-Zade) Sinan Pascha,132 der sehr hohe Positionen an der Pfor­te erreichte, stammte aus Italien. Dennoch nahm er an wichtigen Ereignissen mittels seiner Familie teil, auch wenn er davon höchst­130 Instruktion für Giovanni Stefano Ferreri. Nuntius am Kaiserhof, Rom, 20. Ja­nuar 1604. JAITNER 708-724. Cit. 71 If. 131 NIEDERKORN J. P.. Das „negotium secretum" der Familie Cicala. In: Mit­teilungen des Instituts für österreichische Geschichtsforschung, Wien (MIÖG) 101 (1993) 425-434. Cit. 434. Damit brach er mit den Konklusionen von 1. Rinieri (1897) und von G. Oliva (1907), die gegenüber der Ernsthaftig­keit des Planes viel optimistischer waren. Er gründete seine Stellungnahme auf bis dahin nicht erforschte Dokumente, die er im Archiv von Simancas (AGS) studierte. 132 Er hieß ursprünglich Scipione Cicala und ist vermutlich 1544 in Messina ge­boren. Als dieser 17 Jahre alt war. wurde zwanghaft nach Konstantinopel transportiert und zum Türken gemacht. Seine Karrierengeschichte deutet an. dass seine Entscheidung, Türke zu werden, eher mit der Hoffnung eines even­tuellen politischen Aufstiegs verbunden war als mit religiösen Überzeugun­gen. Als Page war er im Hof tätig, als seine außerordentlichen Fähigkeiten die Aufmerksamkeit des Sultans erweckten. 1591 wurde er Kapudan Pascha, was die Führung der Flotte bedeutete. Cicala hatte 1595 in spektakulärer Weise Reggio Calabria ausgeraubt; er wurde trotzdem im abgesetzt: Cicala war der Mutter des Sultans unsympathisch. 1596 zog er mit Mehmed III. nach Un­garn, wo er die Schlacht bei Mezőkeresztes, die für sie bereits verloren ausge­sehen hatte, in den größten osmanischen Sieg im Langen Türkenkrieg um­wenden konnte. Als Dank wurde er zum Großwesir ernannt, damit kam er an die Spitze der osmanischen Regierung. Wegen einiger unglücklicher Ent­scheidungen wurde er abgesetzt. Dann wurde er für kurze Zeit Begier Beg von Syrien und ab 1598 wieder Kapudan Pascha. Cigala-Zade starb im März 1606. BENZONI G., Cicala. Scipione (Cigala-Zade Yusuf Sinan). In: DB1 (Anm. 12) Bd. 25. 320-340.

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