Folia Theologica 13. (2002)
Attila Puskás: Gott der dreieine als Schlüssel zum verstehen der wirklichkeit trinitarische Ontologie bei Gisbert Greshake
32 A. PUSKÁS der vom andern in seiner Existenz und seinem Eigentum bedroht ist (homo homini lupus; vgl. Hobbes), verzichtet jeder auf den Gebrauch unbeschränkter Freiheit und übergibt diese an einen Herrscher, der für Wohl, Freiheit und Gerechtigkeit zu sorgen hat. Letzten Endes ist der höchste Wert die Freiheit und Selbstverwirklichung des Individuums, im Interesse deren Garantierung, ist der Bürger bereit, die eigene Freiheit einzuschränken. Somit besteht die höchste gesellschaftorganisierende und zusammenhaltende Kraft in der gegenseitigen Einschränkung der eigenen Interessen und Macht. Die Gesellschaft und der Staat werden aufgefasst als eine nachtärgliche Summation von grundsätzlich abgesonderten Individuen, von „Atomen" einzelner Bürger zum Zwecke des Eigennutzes. Diese Theorie erweist sich weitgehend als Erbin des cartesiani- schen Subjektbegriffes, dem zufolge der Mensch als geschlossenes, selbstgenügendes, autarkes Individuum, das mit den anderen in nachträglicher Beziehung der Rivalität steht. Dagegen entwirft die kollektivistische Theorie eine Idee der Gesellschaft, die die Freiheit, Iniziativkraft, Selbststand und Selbstwert der Person weitgehend abschätzt. Diese Sicht bringt die Gefahr mit, den Einzelnen in der Totalitt der gesellschaftlichen Verhältnissen aufzuheben, ihn auf eine Funktion, Zahnrad zu reduzieren. Die Gesellschaft und der Staat werden als ein übergeordneter Organismus, als eine „Überperson", ein „Super-Subjekt" konzipiert, der die einzelnen Personen untergetan werden. Im Interesse des ganzen Organismus ist der Einzelne opferbar. Die extreme Konsequenz dieser Theorie sind die verschiedenen Diktaturen. Greshake weist wieder auf den gemeinsamen Wurzel-Fehler hin: „In der atomistischen und in der organologischen Konzeption von Gesellschaft stehen mithin zwei konträre Positionen gegenüber, die jedoch beide darin Übereinkommen, dass das 'Soziale' nachträglich aus der Übereinkunft von Individuen bzw. das Individuum von der Sozialität her konstituiert wird und beide nicht als gleichursprünglich betrachtet werden".13 So zeigen sich beide Konzeptionen bezüglich der Konstitution von Gesellschaft als zutiefst aporetisch. Für Greshake ist der Trinitätsglaube jener, der ein anderes Modell anzubieten vermag. Die trini13 GRESHAKE, G., Der dreieine Gott, 478.