Folia Theologica 12. (2001)

Zoltán Rokay: Die Selbstverwirklichung des Menschen in der Philosophie von J. G. Fichte

52 Z. ROKAY 3. Die Bestimmung des Menschen Hier spricht Fichte mit besonderen Nachdruck vom Zweckbe­griff; den Menschen soll ja nicht sein Wissen, sondern das nach sei­nem Wissen Handeln bestimmen.) Fichte stellt die Frage: „Welches soll nun... der eigentliche Sitz und Mittelpunkt jener eigentümlichen Kraft des Ich sein? ... mein Denken und mein Wol­len. Ich will nach einem frei entworfenen Zweckbegriffe mit Frei­heit wollen, und dieser Wille, als schlechthin letzter, durch keinen möglichen höheren bestimmten Grund, soll zunächst meinen Kör­per und vermittelst desselben, die mich umgebende Welt bewegen und bilden."88 „Der Zweckbegriff, eine besondere Bestimmung der Begebenheiten in mir erscheint doppelt, teils als ein Subjektives, ein Denken, teils als ein Objektives, ein Handeln."89 „Ich umfasse diese Welt lediglich in dem Zwecke und unter dem Zwecke, den mein Gehorsam haben muß; sie ist ganz und gar nichts anders, als dieser notwendige Zweck selbst, den meine Vernunft dem Gebote hinzufügt."90 In einem teleologischen Denken, wie es sich in der BdM und in Fichtes Spätwer (Die Grundzüge des gegenwärtigen Zeitalters, Die An­weisung zum seligen Leben) meldet, stellt sich notwendigerweise die Frage nach dem Endzweck: „den irdischen Zweck befördere ich nicht lediglich um sein selbst willen, und als letzten Endzweck, sondern darum, weil mein wahrer letzter Zweck, Gehorsam gegen das Gesetz, in der gegenwärtigen Welt mir nicht anders darstellt, denn als Beförderung jenes Zwecks... Ich lebe und wirke sonach schon hier, meinem eigentlichen Wesen und meinem Zweck nach, nur für die andere Welt..."91 88 89 90 91 BdM S.28. Ebd. S.88. Ebd. S.l 17. Ebd. S.121. Die Gedankenverwandschaft mit dem gleichnamigen Werk von Spalding wird hier besonders handgreiflich: „Ich bin also für ein anderes Le­ben gemacht...ich will mich also gewöhnen die Ewigkeit und das gegenwärti­ge Leben als ein Ganzes zu betrachten.” (SPALDING, Die Bestimmung des Menschen, S.30.)

Next

/
Thumbnails
Contents