Folia Theologica 12. (2001)

Imre Koncsik: Der analoge Realismus als Fundament der Christologie Karl Rahners?

146 I. KONCSIK über den „subjektiven Vorkonstruktionen von Objektivität"26 - hier wird freilich hintergründig eine letztgültige Subjektivität der tran­szendentalen Ideen vorausgesetzt, deren Immanenz nicht wirklich auf eine Transzendenz - sondern nur transzendental - überschrit­ten werden kann27, als ob der Mensch immer nur in rein willkürli­chen Konstruktionen der Wirklichkeit gefangen wäre.28 Wäre im Sinn des analogen Realismus der transzendentale „Vorgriff" auf Gott, also die transzendentalen Ideen analog-real verankert, indem der Mensch konsequent in irreduzibler analoger Einheit von Identi­tät und Differenz zu Gott begriffen würde, so wäre das Subjekt nicht in Verdacht geraten, entweder subjektimmanent wegen sei­ner untilgbaren Differenz zu Gott seine Ideen zu konstruieren und 26 VERWEYEN, H., Gottes letztes Wort. Grundriß der Fundamentallheologie, Düsseldorf 21991, 397. Damit relativiert und subjektiviert er transzendentale oder gar ontologische Reflexionen, nachdem er mit subjektimmanenten Krite­rien (=Axiom) nur Subjektimmanentes zu gewinnen meint (=Resultat). Letzt­lich führt das theologisch zur Relativierung der Wirklichkeit der Au­ferstehung zu einer den neutestamentlichen Autoren unterstellten „vaticinia ex eventu“, zumal die Auferstehung primär transzendental und damit nicht mehr objektiv erfassbar ist (466). 27 „Die Sätze, die uns Gott sagt, existieren nur in den Sätzen, die wir denken“ (Sehr. IX, 204). „Die Objektivität der Offenbarung Gottes existiert immer in der subjektiven Aussage eines Menschen, also in seinem .Hören’, seinem .Glauben’... Offenbarungsgeschichte und Glaubensgeschichte sind im Grunde genommen die zwei Seiten ein und desselben Vorgangs.“ (Sehr. IX, 205). - Hier wird axiomatisch stark von der ontologischen Kategorie des Ereignisses gedacht: der Dialog zwischen Gott und Mensch ereignet sich; der Ort des Er­eignisses ist die menschliche Subjektivität, auf deren Bestimmung es dann ankommen muss (Sehr. IX, 225); außerhalb des Ereignisses besteht kein ob­jektiver oder subjektiver Standpunkt; ein Maßstab des Ereignisses, aufgrund dessen überhaupt transitiv das angegeben werden kann, was sich ereignet, fehlt: das Ereignis ereignet sich also selbst?! 28 Meist läuft die Überbetonung der historischen Dimension der Wirklichkeit zu einer Absolutsetzung von paradoxen, geschichtlich bedingten existentiellen Erfahrungen: die Paradoxie, das Kreuz (MOLTMANN, J., Der gekreuzigte Gott : das Kreuz Christi als Grund u. Kritik christl. Theologie, München 41981), das Scheitern (VERWEYEN, H., Gottes letztes Wort. Grundriß der Fundamentaltheologie, Düsseldorf 21991, 441) werden zum objektiven Kor­rektiv rein subjektiver Einheits- und Harmonievorstellungen. Wie die sich dann hieraus ergebende generalisierende ontologische und damit transzenden­tale Aussage über die Wirklichkeit ohne einen hintergründig erneut vorauszu­setzenden transzendentalen und trans-subjektiven Rekurs gelingen soll, bleibt wohl das unreflektierte Geheimnis einer sich selbst verabsolutierenden histo­rischen Kritik.

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