Folia Theologica 12. (2001)
Imre Koncsik: Der analoge Realismus als Fundament der Christologie Karl Rahners?
DER ANALOGE REALISMUS ALS FUNDAMENT 147 einer geschichtlich-„objektiven" Korrektur durch Gott bedürftig zu sein, oder anmaßend aufgrund der ideellen Identität der Ideen Gottes mit Gott seiner selbst habhaft zu werden. Vielmehr ist der Mensch immer der Interpret und analoger Realisator der Wirklichkeit, ohne sie subjektiv revidieren oder konstruierend aufheben noch sie ideell für sich konstruieren zu können. Die Geschichte ereignet sich kategóriái als Heilsgeschichte: theologisch wird dem Geschehen der Wirklichkeit des gott-geschöpf- lichen Dialogs eine irreversible, unhintergehbare und konstitutive Faktizität und Bedeutung zugeschrieben29. Ein besonderer Reflex auf die Heilsgeschichte offenbart damit mehr von der Wirklichkeit: es ist hier der Mittelweg zu wahren zwischen einer akzidentellen Nivellierung und Herabwertung der Geschichte einerseits und ihrer ontologischen oder idealistischen Überbewertung als Werden oder vermeintlich einzige Objektivität andererseits, was Rahner in der Tat versucht30. Dennoch kann ihm kann in diesem Zusammenhang eine Überbewertung der Transzendentalität vorgeworfen werden31, etwa wenn er von einer „unvermeidlichen Inkongruenz zwischen relativer geschichtlicher Sicherheit und absolutem Engagement"32, also zwischen kategorialer und transzendentaler Dimension spricht33. Doch meint er damit lediglich die Vorläufigkeit der Geschichte und darin positiv die „vorlaufende Entschlossenheit" aller Wirklichkeit auf die Selbstmitteilung Gottes - analog zur geschichtlich vermittelten Antizipation des Eschaton34. Daraus ergibt sich zugleich eine starke Betonung der Geschichte als Vollzug und Vermittlung der transzendentalen Dimension der Wirklichkeit35 sowie als ihr Erkenntni29 Sehr. IX, 235; Sehr. XV, 258. Dementsprechend erhält auch die aktuelle Geschichte eine korrektive Funktion. 30 „Denn Geschichte ist einerseits gerade nicht das atomisierte Im- mer-neu-anfangen, sondern (je geistiger sie ist) das Neu-werden, das das Vergangene bewahrt“ (Sehr. I, 170). 31 Vgl. BALTHASAR, H.U.v., Theodramatik 3: Die Handlung, 1980, 253-262. 32 RAHNER, K., des Glaubens. Einführung in den Begriff des Christentums, Freiburg 'Ü976, 232. 33 Vgl. Sehr. IX, 203 34 Sehr. XII, 380 35 Vgl. etwa Sehr. IV, 148. - Die rahnersche Konzeption transzendentale Ideen - kategoriales Werden erinnern doch stark an den aristotelischen Hylemorphismus.