Folia Theologica 2. (1991)

László Boda: Aspekte zur Theologie der Selbstverwirklichung

SELBSTVERWIRKLICHUNG 93 zu sorgen. Es wurde schon von Apostel Paulus eindeutig gesagt (vgl. 1 Kor 9,24—27 u. a.). Theologisch gesehen ist aber die Selbstverwirk­lichung eben die Vollendung des eigenes Heils. Das ist kein „spiritu- alistischer Individualismus”, weil unser „eigenes Heil” vom Dienst des Heils der Mitmenschen untrennbar ist. Die Lehre Fénelons wurde also von der Kirche gerecht verurteilt (DS 2351—). Das ist die „Liebe ohne Interesse” (amour désintéressé”, was eine radikale Selbstaufop­ferung, eine Vernichtung des „Selbst”, ohne Sorge für das eigene Heil bedeutet und ist eine anscheinend sehr fromme Theorie, aber mit absurden Folgen. Wenn 13. der Mann in seiner „extatischen Liebe” in der Ehe alles nur für seine Frau opferte und für sich selbst nicht sorgte (Kleidung, Beruf, Erfolg usw.), wäre die Folge wahrscheinlich eine Ehescheidung. Die absurde Idee spukt immer: wenn man wirklich liebt, ist man fertig mit der geliebten Person auch die Verdammnis auf sich zu nehmen. Das ist deswegen absurd, weil die christliche Liebe eben den Willen zum Heil bedeutet. c. ) Es wurde bereits von Teilhard de Chardin erkannt, dass ,,Nemo dat quod non habet", d. h. „Niemand kann das geben, was er nicht hat”. Die christliche Selbstverwirklichung ist also Voraussetzung der Selbst- aufoperung. Das bedeutet, dass der Wert eines von der Liebe kommenden Opfers auch vom Wert des Geopferten abhängt. Beachten wir nochmals die das Opferlamm betreffenden Vorschriften des Alten Testaments und auch das, dass im Neuen Testament Jesus Christus in seiner vollen Persönlichkeit (in seinem 33. Jahre) unser „Opferlamm” wurde. Teilhard beurteilt also die Aufgabe des christlichen Lebens konsequent zu dieser Perspektive. Es ist notwendig, um erstens zu unserer möglichst entfalte­ten und vollkommen Persönlichkeit zu geraten, dass man sich selbst 20 „verleugnen” und „verlieren” könne, im Leben für andere. d. ) Die Erfahrungen eines modernen Zeugen der christlichen Spiritualität könnte darüber mehr aussagen. Thomas Merton durchlebte die sonder­baren Wendungen der menschlichen Selbstverwirklichung. In der er­sten Periode seiner Persönlichkeitsentfalung verstand er die Selbst­findung in der Auffassung von Oscar Wilde, d. h. als eine Grundten­denz, um seine Antriebe und literarischen Neigungen auszuleben (die 20 20 Le Milieu Divin, Paris 1957., Zusammenfassung des I. und II. Teils. 1. a.b.

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