Folia Theologica et Canonica 7. 29/21 (2018)
Sacra theologia
DER PRIESTER IN DER ANZIEHUNG VON CHRISTUS 65 Zweitens erschliesst sich vor und aus der Schrift, dass der Charakter (die Persönlichkeit) von Jesu durch drei Hauptzüge gekennzeichnet wird: die Transzendenz, die Harmonie und das absolute Merkmal. Bezüglich der Transzendenz zeigt er sich so: „Sobald er erscheint und zu sprechen beginnt, spüren wir gleich mit der unablehnbaren Unmittelbarkeit der Wirklichkeit, dass es sich vor uns in ihm und mit ihm eine andere Welt erschliesst. Seine Stimme ist wie eine Glocke, die in einer unerreichbaren Entfernung klingt und trotzdem in unserer Seele erklingt; sein Blick sieht uns sozusagen aus der Unendlichkeit und trotzdem ist er so nah!” Und was die Harmonie anbelangt: „Was einem Charakter sogar unter engen Uebensrahmen eine Grosszügigkeit zu geben vermag, also die vollkommene Hingabe und Treue für die Berufung ein ganzes Ueben hindurch, das erweitert sich bei Christus für die ganze Welt. Er betrachtet als seine Sendung, die Menschen zur Wahrheit Gottes zu führen.” „Im Individuum von Jesus Christus flechtet sich dieses geistige und moralische Reichtum in eine einzigartige Einheit. (...) In Christus vereinen sich in einer vollkommenen Harmonie solche Charakterzüge, die bei den anderen gegeneinander kämpfen und einander schwächer machen oder im besten Falle einander immer wieder wechseln; in Christus aber unterstützen und bestätigen sich diese Züge und sie sichern für den ganzen Charakter neben der inhaltlichen Vollständigkeit die Ordnung der Formen und die Dynamik, den Rythmus und die Fruchtbarkeit. Transzendenz und der vollständigste Sinn für Wirklichkeit, eine durchdringende Weitsicht und eine kindliche Ungezwungenheit, die Folgerichtigkeit von universellen Gesichtspunkten und Prinzipien und zur gleichen Zeit die genaueste Beurteilung einzelner Situationen, innerliches Gebetsleben und praktischer Sinn, die völligste Anspruchslosigkeit und die gesündeste Febensbejahung, Demut und Selbstbewusstsein, Zärtlichkeit und Entschlossenheit.” Im Zusammenhang mit dem absoluten Charakter fällt uns die Abgeschlossenheit in die Augen: „Dort steht er ohne Sünden; aber seine Sündenlosigkeit ist nicht die Frucht von Fäuterung, Reue und Busse.” „Da steht er auf dem höchsten Gipfel der moralischen Vollkommenheit, und es ist nicht die geringste Spur davon, dass er sich er auf den Stufen der Vervollkommnung mit regelmässigem Üben hätte hinaufklettem müssen. Vor uns steht ein Mensch, der in jeder Richtung abgeklärt, mit sich selbst, mit Gott, der Welt und den Mitmenschen völlig im Reine und reif ist; aber kein Zeichen deutet darauf hin, dass er dahin von den Unvollkommenheiten der Anfänger, durch die Stürme von Kämpfen, Krisen und Problemen gelangt ist”.10 Und was die Tätigkeit von Jesus betrifft, können wir sehen, dass er gelehrt und auf seinem Weg überall Gutes getan hat. Er hat gelehrt, dass Er allein der Weg, die Wahrheit und das Heben ist. Das heisst als Weg: „Jesus Christus stellt 10 Vgl. Schütz, A., Krisztus, 26-31.