Folia Theologica et Canonica 7. 29/21 (2018)

Sacra theologia

64 GÉZA KUMINETZ was in seine Weg kommt, und woran er sich selbst erkennt, das betrachtet er als sein Eigentum. Darum studiert der katholische Wissenschaftler die Gedanken und Schriften seiner Seelenpartner von jeder Auffassung gründlich, um in ihnen früher oder später die Samen und Keime der Wahrheit und des eventuellen Irrtums suchen und auch finden zu können. Der Traditionalitätscharakter der katholischen Religion bedeutet letztend­lich: Während die Übernatürlichkeit unseren Horizont in die Richtung der Höhe und Tiefe eröffnet sowie der Autoritätscharakter den sicheren Grund der Breite unter uns deckt, richtet die Traditionalität unseren Blick in die Linie der Länge: vorwärts und rückwärts, in die Vergangenheit und in die Zukunft. In der leben­digen Tradition aufersteht sozusagen die Vergangenheit und spricht in die Ge­genwart ein. Auch die Tradition war einst eine lebendige Gegenwart, und ihre Vertreter waren die grossen Seher ihres Zeitalters. Wir brauchen also nicht al­les von vorne zu beginnen. Die katholische Traditionalität ist eine lebendige und lebendig machende Kontinuität; aber nur für diejenigen, die den Ereignis­sen wahrhaftig nachgehen und deshalb sie die Quelle dieser Tradition, die alles sehende und gestaltende Weisheit erkennen. Diese lebendige Tradition hilft uns dabei, alles in seiner eigenen Lage zu sehen und alles nach seinem eigenen Mass behandeln zu können. Zusammenfassend: Während die Übematürlichkeit (die kein Dogmatismus ist) die transzendenten und immanenten, der Traditionalitätscharakter (der kein Autoritätsprinzip ist!) die subjektiven und objektiven Momente ergänzt, erwei­tert der Autoritätscharakter (der kein Konservatismus ist) die ewigen und zeit­lichen Momente; und sichert die entsprechend plastische Sicht auf die Welt, bezeichnend auch die Art und Weise sowie die Richtung der passenden und richtigen Handlung. Diese Sichtweise wird nicht automatisch gegeben, sogar wer die Sicht des Glaubens bekommen hat, muss all seine Kräfte anspannen, damit seine Sicht scharf und auf erforderliche Weise durchschaubar wird, er soll auch immer mehr die Gesinnung von Christus besitzen. In der Welt, wie wir schon daraufhingewiesen haben, bedeutet der Besitz dieser Gesinnung die Voll­ständigkeit und Krönung der menschlichen Würde. 2. Die Persönlichkeit (das Individuum) von Christus Vor allem müssen wir sehen, dass seine Persönlichkeit auch menschlich reif gewesen war, denn er stellte sich vor die Öffentlichkeit, um seine Sendung zu erfüllen, Auch der Priester dürfte also nicht unreif Arbeiter im Weinberg des Herrn sein, das heisst er soll die Vorbereitungszeit schätzen und auch während seiner Priestertätigkeit muss er sich auch eine ständige Selbstausbildung ein­richten; dadurch könnte er das Geheimnis des Verborgenen, des Heiligtums des inneren Gebetes finden, ausbauen und schützen.

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