Folia Theologica et Canonica 4. 26/18 (2015)

SACRA THEOLOGIA - Hans Mendl, Wenn der Tod einbricht (...) Kinder, Gott und das Leid

WENN DER TOD EINBRICHT (...) KINDER, GOTT UND DAS LEID 51 passend, weil sie in der konkreten Situation sowohl anthropologisch als auch theologisch als unangemessen erscheinen: wenn beispielsweise Aids als Strafe Gottes oder der Tsunami als gerechte Bestrafung für die Sextouristen betrach­tet wird. Auch in religionspädagogischer Hinsicht sind die Erwartungen an die Theologie heute anspruchsvoller: ein Gehorsamsglaube, der vermeintliche Wahrheiten nur vorsetzt, aber nicht begründet, reicht nicht aus, vielmehr for­dert der postmoderne Mensch einen Verstehensglauben ein, bei dem intensiv und differenziert um Antworten gerungen wird. 2. Die vereinfachte Rede vom „ lieben Gott “ Bei Kindern dominiert heute die Vorstellung „eines freundlichen, helfenden und behütenden Gottes“19. Gott sei Dank ist das so, dass sich Kinder heute Gott als eine positive Macht vorstellen, bei der sie sich geborgen fühlen, denn das ist auch emotional bedeutsam. Und es ist gut, dass der Glaube an einen guten Gott die Vorstellung eines strafenden Aufpasser-Gottes, unter dem frühere Genera­tionen gelitten haben, abgelöst hat. Gleichzeitig ist diese positive Tendenz aber ambivalent, weil durchaus die Frage angebracht ist, ob diese einseitige Vorstel­lung von Gott ausreicht, um auch die Theodizee-Frage angemessen zu beant­worten. Besteht hier nicht die Gefahr, dass mit der ausschließlichen Rede vom „guten“ Gott eine „Eiapopeia-Religiosität“20 erzeugt wird, eine weichgespülte, harmlose und deshalb letztlich bedeutungslose Vorstellung von Gott? Gerät man hier nicht in den anderen Straßengraben - von der Gottesvergiftung zur Gottesnarkotisierung? Das sieht auch eine 16-jährige Schülerin so: „Ich habe nie verstanden und re­agiere immer noch mit Wut und Ärger, wenn Christen vom .lieben’ Gott reden, als ob es nicht so viele Formen des Elends in der Welt dieses Schöpfers gebe! Wenn er nun lieb ist, alles gut meinte und am Anfang machte, wie sie immer sa­gen, und wenn er auch noch allmächtig ist - ja dann soll er das Leiden doch be­enden. Wozu dient es ihm denn sonst!“21 Ein weiteres markantes Zitat eines Ju­gendlichen lautet so: „Ich fand den Religionsunterricht in der Grundschule noch witzig. Altes Testament, Gott lässt mal wieder den Rauch rein, Schlachten und Geschichten, das war interessant. Dann kam Jesus, und plötzlich war alles wie im Blumen-Sonne-Lutscherland. Keine Gewalt, Nächstenliebe, wenn dir einer die Jacke klaut, gib ihm die Hose auch noch-Ja, ja, ganz Klasse.“ (Sven, 17 J.)22 19 Schreiner, M. - Thomas, R., „Man weiß ja auch nicht, wie Gott in echt aussieht...", in Fis­cher, D. - Schöll, A. (Hrsg.), Religiöse Vorstellungen bilden. Erkundungen zur Religion von Kindern über Bilder, Münster 2000. 143-172, hier 170. 20 Sauer, R., Kinder fragen nach dem Leid, 112. 21 Willert, A., Das Leiden der Menschen und der Glaube an Gott, Göttingen 1997. 7. 22 Ziegler, Th., Abschied von Jesus, dem Gottessohn? Christologische Fragen Jugendlicher als religionspädagogische Herausforderung, in Büttner, G. - Thierfelder, J. (Hrsg.), Trug Jesus Sandalen ? Kinder und Jugendliche sehen Jesus Christus, Götti ngen 2001. 106-139, hier 124.

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