Folia Theologica et Canonica 2. 24/16 (2013)

SACRA THEOLOGIA - Attila Puskás, Traditionsauslegung am Konzil von Trient

FOLIA THEOLOGICA ET CANONICA (2013) 79-97 Attila Puskás TRADITIONSAUSLEGUNG AM KONZIL VON TRIENT' I. Die grundsätzliche dogmatische Zielsetzung des Konzils; II. Das Prinzip „sola scriptura” in Luthers Theologie; III. Die Annahme des Glaubensbekenntnisses am Konzil; IV. Die Rol­le der Tradition in der Kirche; V. Anmerkungen zur Lehre des Dekrets Sacrosancta Als das Tridentinum die Rolle der Tradition für die Kirche wie für die Theolo­gie zu formulieren suchte, erneuerte es die Konzilsgeschichte mit seiner Stel­lungnahme in theologisch-erkenntnistheoretischen Fragen. Frühere Konzilien unterließen es, die Erkenntnisquellen ihrer theologischen Argumentation, dog­matischen Interpretation und Entscheidungen zu reflektieren. Das Tridentinum sah es aber unumgehbar, da die reformierte Theologie sowohl in einzelnen inhaltlichen dogmatischen, wiewohl in umfassenden erkenntnistheoretischen Fragen eine neue Perspektive gebracht und die frühere kirchliche und theologi­sche Sichtweise einer Kritik unterzogen hatte. Die protestantische Kritik, die sich auf das Verhältnis Schrift-Tradition-Kirche bezog, blieb nicht ohne Ant­wort. Das Konzil ging auf die reformierte Herausforderung ein, indem es die grundsätzlichen Aspekte der katholischen Auslegung der Tradition feststellte, wenngleich es etliche Fragen offen ließ. Darüber hinaus bildete diese ausge­sprochen erkenntnistheoretisch gesinnte Reflexion durch ihre Traditionsauffas­sung Grundlage und Hintergrund der inhaltlich-dogmatischen Beschlüsse des Konzils und Bezugspunkt darauffolgender lehramtlicher Stellungnahmen. All dies erfordert insbesondere eine Reflexion der Traditionsauslegung des Triden- tinums, die wir uns in der folgenden Studie zum Ziel gesetzt haben: Schwer­punkte und offene Fragen der tridentinischen Traditionsauslegung zu umreißen und zu bewerten. Zur Einleitung erinnern wir an die dogmatische Zielsetzung des Konzils und die Akzente der reformierten Erkenntnistheorie des „sola scriptura“-Prinzips. Danach suchen wir in zwei Schritten die Antwort des Kon­zils zu erläutern: Zuerst die Bedeutung des Dekrets der Annahme des Nicäno- Konstantinopolitanum aus der Sicht der Traditionsauffassung, danach unter­suchen wir ausführlich die Traditionsauffassung des Dekrets Sacrosancta und ihre Interpretationsmöglichkeiten, um abschließend mit einigen zusammen­fassenden Anmerkungen die Erläuterungen auszuwerten. 1 Dieser Aufsatz ist die redigierte Version des Vortrags, den der Autor an der Budapester Tagung „450 Jahre Concilium Tridentinum“ (7-9. Oktober 2013) gehalten hat.

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