Folia Theologica et Canonica 1. 23/15 (2012)

SACRA THEOLOGIA - Zoltán Rokay, Leo Scheffczyk und die Tübinger Schule

112 ZOLTÁN ROKAY Die Nachwirkung Schellings hat sich auch außerhalb der Tübinger Schule bei den katholischen Theologen bemerkbar gemacht. So beruft sich Johann Joseph von Görres (durch Scheffczyk als „Laientheologe“ bezeichnet) in seiner Schrift „Glauben und Wissen: Theogonie“ von 1805 auf Schellings Werk „Bruno“.88 Es ist nicht zu leugnen, dass Schelling (1775-1854) und die „Tübinger“ Zeitgenossen gewesen sind. (Drey geb. 1777, Kuhn f 1887). Schelling hat mit Hegel und Hölderlin in Tübingen studiert (1790-1794), in Baden-Würtenberg bekannt geworden und seine zweimalige Tätigkeit in München (1806-1820 und 1827-1841) ihn mit dem katholischen Denkern in Kontakt gebracht, und von daher für die in Bayern - u.a. auch in München tätigen katholischen Theo­logen bekannt geworden, er konnte einen Einfluss ausüben, und seine Gedan­ken konnten Gegenstand der Kontroverse werden. Es lässt sich nachweisen, dass Drey, dessen Intention die Verfassung einer Enzyklopädie der theologischen Wissenschaften war, sich dabei (neben Schleier­machers „Kurze Darstellung des theologischen Studiums“, 1811), auf Schel­lings „Vorlesungen über die Methode des akademischen Studiums“, 1803 - stützt.89 In seiner „Kurzen Einleitung in das Studium der Theologie“, im §84 sagt Drey: „Einzelne sehr zu beherzigende Bemerkungen über eine wissen­schaftlichere Auffassung des Christentums und eine wissenschaftlichere Be­handlung der Theologie finden sich in Schellings Vorlesungen über die Methode des akademischen Studiums.“90 „Im übrigen muss der Aufweis der Zusammen­hänge der Philosophie Schellings und der Theologie Dreys aber einen indirek­ten Weg einschlagen, da sich ausser in einigen Bemerkungen seiner (...) Tage­bücher aus den Jahren 1812-1817 keine ausdrückliche Auseinandersetzung mit Schelling findet.“91 Möhler war - wenn auch nur für eine kurze Zeit (1835 bis 1838) Professor in München, wo er aber schon wegen Krankheit im Jahre 1836 mit seiner Vor­lesungstätigkeit aufgehört hat.92 Diese Jahren fallen in die Zeit von Schellings zweiten Münchener Tätigkeit. Aber die Anziehungskraft bedeutete für Möhler Görres und Döllinger.93 Am ehesten wird eine Auseinandersetzung Möhlers mit Schelling in der Darstellung des Glaubensbegriffs, welcher nach Möhler keineswegs mit der Intellektuellen Anschauung von Schelling identifizieren 88 Ebd. 224. 89 Vgl. Schupp, F., Die Evidenz der Geschichte. Theologie als Wissenschaft bei J. S. Drey, Inns­bruck 1970. 4; vgl. auch Scheffczyk, L. (Hrsg.), Theologie in Aufbruch und Widerstreit, 1. 90 Zitiert nach Franz Schupp (Herausgeber, und Verfasser der Einleitung): Drey, J. S., Revision von Kirche und Theologie, Darmstadt 1971.3 XI. 91 Ebd. 92 Vgl. Scheffczyk, L. (Hrsg.), Theologie in Aufbruch und Widerstreit, 32. 93 Vgl. ebd. 31.

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