AZ ORSZÁGOS SZÉCHÉNYI KÖNYVTÁR ÉVKÖNYVE 1981. Budapest (1983)

III. Könyvtörténeti és művelődéstörténeti tanulmányok - Fallenbüchl Zoltán: Ambrus Zoltán az író és a könyvgyűjtő - Zoltán Ambrus, Schriftsteller und Büchersammler

Mit der Belletristik fing er auf dem Gebiet der Novelle 1886 an. Seine erste Novelle Messziről jött levelek (Briefe aus der Ferne) brachte schon wegen der Behandlung des Themas Aufmerksamkeit, denn der Humanismus und Sympathie gegenüber der armen Wittwe eines 1849 in Ungarn gefallenen kaiserlichen Offiziers war damals selbst, in der austrophoben ungarischen Literatur eine Seltenheit. Schon in dieser Novelle kam seine Grundhaltung: Humanismus, Rittlerichkeit, Respekt des Mit­menschen zur Geltung. Sein Standpunkt war immer jener der christlichen Moral, wenn auch von dem Geist des „Fin de siécle" etwas pessimistisch beeinflusst. Der Kampf in der ungarischen Literatur ging damals besonders in der Richtung, um eine tiefere psychologische Analyse geben zu können. In seinem ersten grossen, und bis heute best bekannten Roman Midas király (König Midas, auch in Deutsch erschienen ; besprochen auch im Werk von Bompiani) gibt er die geistige Wandlung eines Kunst­malers, dessen erste Ehe glücklich ist, aber in Armut verläuft: nach dem Tod der geliebten Frau wird er aber reich und gefeiert, findet aber mit der zweiten Ehefrau, einer Gräfin, keinen echten seelischen Kontakt, und stirbt, ganz verzweifelt, auch in seiner Kunst enttäuscht, durch Selbstmord. Zu diesem Roman gab dem Schrift­steller das persönliche Erlebnis seiner ersten Ehe Anlass. Seine Frau, Gizella v. Tor­mássy (1867 — 1888) war selbst eine junge Schriftstellerin, künstlerisch begabt. Nach einem Jahr glücklichster Ehe, starb die junge Frau bei der Geburt ihrer Tochter, Gizella Ambrus (1888—1982), die als Halbweise durch die väterliche Grossmutter Ambrus erzogen wurde. Auch der nächste Roman, A gyanú (Der Verdacht; auch deutsch erschienen beim Verlag Reclam in Leipzig) hat tragisches Ende. Es handelt sich darin um einen Advokaten, der eine, im Mordfall beschuldigte junge Dame zum Freispruch bringt, sie heiratet, aber dann, infolge einer Angeberei, den Glauben an ihrer Unschuld verliert und Selbstmord begeht. Dieser Roman ist, wenn auch vielleicht auf Grund eines damaligen Falles fussend, eigentlich ein psychologischer Roman. Ambrus hatte ein reges Interesse für Psychologie; er sammelte jene Bücher, die sich mit Psychologie beschäftigten ; aber seine literarische Wirkung als praktischer Psychologe in der Literatur ist früheren Datums, als seine Sammeltätigkeit. Die Romane folgten eine Reihe von Novellen, die berühmt wurden und in viele Sprachen übersetzt erschienen. Besonders eine Reihe von sog. ,,contes bleues" wurde sehr bekannt — einer von ihnen kam noch Jahrzehnte später bis zum Filmszenari­um — und diese sicherten Ambrus einen ständigen Platz in der ungarischen Literatur, mehr noch, als seine Romane. 1894 von neuem verheiratet mit einer jungen Sängerin, gab Ambrus seine gute Stelle bei der Bodenkreditanstalt auf und lebte nun von der Literatur, das heisst aus der Journalistik. Das bedeutete ihm, als sehr respektiertem Schriftsteller zwar eine hohe Bezahlung seiner Artikeln und Novellen, aber zugleich ein überstrengtes Arbeitstempo. Auch seine weitern Romane Őszi napsugár (Herbstsonne, ersch. in französich als Soleil d'automne) und Giroflé és Girofla (G. und G.) hatten Beifall beim Publikum, aber er konnte sich nunmehr schwer für grössere Arbeiten freimachen. Die Tagesarbeit der Journalistik und die dramaturgische Betätigung bei dem Un­garischen Nationaltheater brachten ihn viel Ehre bei. Er hatte dabei die Gelegen­heit, ausländische, besonders französiche Bücher und Periodika zu bestellen, die er aufbewahrte. Er redigierte auch ungarische Periodika z. B. Uj Magyar Szemle (Neue Ung. Revue), nach dem Muster des Revue des Deux Mondes, aber in Ungarn konnte eine solche Zeitschrift, mangels von einem wohlhabenden und zugleich gebildeten Publikums nur kurze Zeit bestehen. Ambrus war übrigens auch als Übersetzer von Flaubert und Maupassant berühmt geworden. Bei der Spaltung der ungarischen Literatur in eine Rechts- und eine Linksorientierung blieb er, Verteidiger der Objektivität und des künstlerischen Niveaus, neutral, und damit verlor er viele Freunde. Die Ausgabe seiner Sämtlichen Werke seit 1906 und sein überspanntes Arbeitstempo sicherte ihm einen hohen Lebens­standard gegenüber den meisten Schriftstellern : Reisen, schöne Wohnung und grosse Bibliothek gehörten zu diesem Niveau. Als Erfrischung galten Auslandreisen, besonders in Italien und Deutschland, aber auch Aufenthalt in der Sommervilla zu Gödöllő, in der Lovarda-utca, wo seine Mutter die halbverweiste Tochter, die Lehrerin wurde, erzog. 546

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