AZ ORSZÁGOS SZÉCHÉNYI KÖNYVTÁR ÉVKÖNYVE 1979. Budapest (1981)

III. Könyvtörténeti és művelődéstörténeti tanulmányok - Fallenbüchl Zoltán: Alessandro Guadagni levelezéskönyve - Das Notizbuch des Alexander v. Guadagni

Dieser Plan — in Briefform an den Kaiser und König Leopold I. adressiert — ist wohl einige Jahre späteren Ursprungs als das Einrichtungswerk von Kollonitseh, viel kürzer, und weniger systematisch, hat aber manche Ähnlichkeit damit, weist aber zugleich auch Unterschiede auf. Es gibt von diesem Plane zwei Versionen im Bande : zuerst kommt eine in deutscher Sprache, dann eine mehr detaillierte, in italieni­scher Sprache verfasst. Sie sind späteren Datums als 1695, stammen wahrscheinlich aus dem Jahre 1697 — interessanterweise fast aus dem selben Zeitpunkt, wo in Frank­reich die Intendaten des Königs eine grosse Untersuchung der Zustände im Lande durchführen. Die italienische Version von Gaudagni ist im Bande die spätere; sie enthält aber mehrere Streichungen. Der Text dieser Streichungen kommt in der deutschen Fassung nicht vor, obwohl sie eben sehr interessant ist. Das wichtigste beider Fassungen ist, dass in der Mitte von Ungarn, an der Mün­dung des Sajóflusses in die Theiss, eine sehr starke Festung zu bauen sei. Dadurch wäre die Verbindung von der Donaulinie nach Oberungarn gesichert; zugleich sollte dort eine grosses Proviantmagazin zur Versorgung der kaiserlichen Armeen erbaut werden. Zu diesem Plane machte Guadagni auch eine Landkarte, die jedoch im Bande nicht zu finden ist; sie war aber wahrscheinlich der missilen Fassung des Projektes an den Kaiser beigelegt. Veranlassung zu diesem Festungsbauplan — der sich schon auf viele ältere Fortifikationserfahrungen im Lande stützt — war die 1697 rasch niedergeworfene Erhebung des einstigen Grenzsoldaten und minmehrigen Bauernführers Ferenc Tokaji. Diese Gelegenheit gab wahrscheinlich Anlass zu diesem, dem Kaiser vorzulegenden Plan. Guadagni übt Kritik über die Festungen in Ungarn — besonders Oberungarn — und hebt deren unbefriedigenden Zustand hervor. Lieber sollte man eine, aber sehr gute Festung haben, die auch als „Nachschubbasis" dienen könnte. Das ist wichtig, denn der Mangel an Festungen ist dort der grösste, wo eben der Herd der Unzufrieden­heit zu finden sei. Man sollte das Land pazifizieren. Charakteristischerweise denkt Guadagni aber nicht an eine rein militärische Lösung. Die Festung soll erbaut werden, jedoch nicht mit der Belastung der Bevölke­rung. Die Kosten zum Bau sollte man durch die Redimierung der Salnitergelände durch den König und dann Verwertung des Salniters durch ihn selbst — als Regale, oder als Appaldo — gedeckt werden. Denn einstweilen ist Salniter zur Verfertigung des Schiesspulvers ganz frei zu haben ; und damit wird nur den Aufständischen geholfen. Um die Beruhigung der Bevölkerung soll der König — argumentiert Guadagni — sich auf seine alten Rechte stützen. Er soll das Volk von den wiederrechtlichen, will­kürlichen, jedoch schon eingebürgerten Forderungen des Adels schützen. Er soll, gleich wie Matthias Corvinus, der einstige Ungarnkönig es gethan, ,,die Tyranney . . . Untertruckhen". Guaxlagni meint, dass der Adel die Untertanen dermassen mit Robot belastet, dass diese dem König zu dienen nicht mehr im Stande sind. Das ist aber gesetzwidrig. Mit den gesetzwidrigen Herrn sollte man aber streng nach dem Gesetz verfahren. Gegen die ,,Störer der königlichen Einkünfte" gibt es schon Gesetze seit dem 16. Jahrhundert: diese sollten wieder in Kraft treten. Er gibt als Exempel dem König : das Verfahren Ludwigs des XIV. mit dem Generalintendant Fouquet an. Zweifelsohne kannte Guadagni die französiche und die venezianische Regierungs­methoden, und ratet dem König Leopold, diese nachzuahmen. Der Herrscher soll Schiedsrichter zwischen Adel und Volk sein, zugunsten des Rechtes und der eigenen Macht. Dieser Rat kommt in der italienischen Fassung noch deutlicher hervor. Hier sagt er ausdrücklich: der König soll dem Prinzip „Divide et impera" folgen. Zugleich gibt er aber auch in dieser Fassung noch konkretere Vorschläge. Der Bau eines Donau­Theiss-Kanals durch die Flüsse Eipel­Ipoly und Sajó, Hilfe der Bergbau treibenden Bergstädte gegenüber der Unverständigkeit der Zipser Kammer wird von ihm vorge­schlagen. Die Kameralbeamten sind erfahrungslos, vielzu provinzial, da sie keine Möglichkeit zur Kenntnis der Arbeitsmethoden im Auslande hatten, und sind auch nicht so gut im Zaum gehalten, wie es die Soldaten, die bewaffneten Diener des Herr­schers sind. Er hebt den Vorteil der militärischen Zucht gegenüber der der Beamten vor. Auch ratet Guadagni die Kontrolle des Besitzrechtes einzuführen. Viele Guts­besitzer haben keine wahrhaften Besitzrechte. Der König Leopold soll die Unregel­mässigkeiten klären lassen, und soll auch ein neues, ständiges Gericht aufstellen. 434

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