AZ ORSZÁGOS SZÉCHÉNYI KÖNYVTÁR ÉVKÖNYVE 1979. Budapest (1981)

III. Könyvtörténeti és művelődéstörténeti tanulmányok - Fallenbüchl Zoltán: Alessandro Guadagni levelezéskönyve - Das Notizbuch des Alexander v. Guadagni

Zweifelsohne hatte Guadagni — der schon im Jahre 1700 also kurz nach dem Entstehen der Handschrift, starb — sich für Ideen eingesetzt, die damals in ganz Eui'opa zeitgemäss waren. Es ist aber eine Frage, welche Fassung tatsächlich an den Kaiser und König Leopold übergesendet wurde? Das fordert noch weitere Archiv­studien in Wien. Jedenfalls war Ludwig XIV. ein Beispiel für ihn, den er dem Kaiser empfehlen konnte. Ganz charakteristisch ist bei ihm, als Reformplaner die betonte Rolle des Heeres und der Fortifikation. Die anderen Ideen sind mit jenen anderer europäischer Denker verwandt: mit Vauban, mit Boisguillebert usw. Untertanenschutz und die königliche Zehentsteuer als Grundlage der Steuerung kommt bei ihm ebenso vor, wie bei den grossen, bekannten Franzosen. Der berühmte ,,Projet d'une dixme royale" (1706) ist aber einige Jahre jünger als sein Brief an den Kaiser. Es ist wahrscheinlich auch keine gegenseitige Beeinflussung an den Ideen, sondern es sind bei den Denkern dieses Zeitalters überall auftauchende Gedanken, die damals überall besprochen und diskutiert wurden: so auch in Ungarn. Ungarn hatte im 17. Jahrhundert wegen den Türkenkriegen, auch im unbesetztem Gebiet wegen den Türkeneinfällen sehr viele Verheerungen erleiden müssen. Der ständige Mangel an der Sicherheit von Person und Vermögen brachte in diesem Lande eine gewisse Apathie gegenüber grössere Pläne, Sammelarbeit, grosszügige Kultur­beförderung mit sich. Als nun am Ende des Jahrhundertes der Türke aus dem Lande vertrieben wird, kommt nun die Frage: Wie weiter? sofort hervor. Viele Projekte tauchen zum Wiederaufbau des Landes auf. Das berühmteste unter ihnen ist das „Einrichtungswerk. . ." von Bischof Leopold Kollonics. Kollonics war Landeskind: er wurde zu Komorn geboren. Unter denen aber, die Projekte zur Reorganisations­arbeit in Ungarn machten, befinden sich auch mehrere Italiener. Solche waren z.B. Fra Gabriele, und auch der Wissenschaftler Marsigli ist in dieser Beziehung zu erwäh­nen. Kaiser und König Leopold I. hätte die Sesshaftmachung von Italienern in Ungarn gerne gesehen: eine Reihe italienischer Herrn, zumeist Mitkämpfer der Befreiung, erhielten in dieser Zeit den ungarischen Adelsstand. Guadagni gehört auch zu jenen, die mit dem Schwert für die Ablenkung der Türkengefahr fochten. Auch wollte er mit der Feder für die Neueinrichtung Ungarns etwas tun. Seine Ideen — zumeist Skizzen — blieben unverwirklicht. Er war nicht ein Mann vom Formate des Marsigli oder Fra Gabriele, aber seine Betätigung ist — in kleinem Masstab — doch auch sehr merkwürdig. Seine Schiffahrtskanalpläne zwischen Donau und Ineiss, Schiffbarmachung der Hernád von Kaschau abwärts — wurden bald von dem grosszügigen Plan des Lothar Voguemont, der einen Donau-Oder-Kanal projektierte, in den Schatten gestellt. Aber auch dieser Plan blieb unverwirklicht. Die Vorschläge Guadagnis in der Beziehung der Fortifikation in der Mitte des Landes wurden durch die Beendigung des Türken­krieges 1699 als überholt angesehen. Die Bergwerksförderung gelang besser; die Nachkommenen von Guadagni erhielten für das von ihm gegründete Bergwerk noch um 1730 eine Rente. Die anderen Vorschläge: Förderung des Bergwesens, des Wald­bürgertums, Schutz der Leibeigenen, der Untertanen, Plan eines neuen Gerichtswesens waren jedenfalls in die Richtung der Zukunft weisend. In einer allmählich anderen Form wurden sie z. T. im nächsten, im 18. Jahrhundert verwirklicht. Seine Projekte — vielleicht von den Zeitgenossen als viel zu phantastisch angesehen — könnten doch von den Historikern positiv gewertet werden. Er war ein, zu seiner Zeit verkann­ter und auch vergessener Vorkämpfer merkantilistischer Bestrebungen, die er auch im eigenen Bereich möglichst zu verwirklichen probierte. Auch war er ein Mann von bürgerlichem Unternehmungsgeist beseelt, das im Ungarn des 17. Jahrhundert nicht allzu häufig zu finden war. Sein Enkel, József Graf v. Gvadányi aber wurde — dank der Ehen mit ungari­schen Adelsfrauen — ein magyarischer Dichter des ausgehenden 18. Jahrhunderts. 28* 435

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