AZ ORSZÁGOS SZÉCHÉNYI KÖNYVTÁR ÉVKÖNYVE 1978. Budapest (1980)
IV. Könyvtörténeti és művelődéstörténeti tanulmányok - S. Lengyel Márta: Egy fejezet 1848-i sajtónk történetéből: Julian Chownitz „Die Opposition"-ja - Ein Kapitel aus der Geschichte der Presse von 1848 in Ungarn: „Die Opposition" von Julian Chownitz
EIN KAPITEL AUS DER GESCHICHTE DER PRESSE VON 1848 IN UNGARN: „DIE OPPOSITION" VON JULIAN CHOWNITZ M. S. LENGYEL Im Frühling 1848, nicht lange nach der Entstehung der radikalen ungarischen Zeitung Marczius Tizenötödike (= Der 15. März), erschien in Pest ein deutschsprachiges Blatt, Die Opposition, die beabsichtigte auch die größere, deutschsprachige Hälfte der damaligen Bevölkerung von Pest über die revolutionären^ Ereignisse in radikaler Weise zu informieren. Redakteur war der in Neuhäusel (Érsekújvár, heute: Nővé Zámky, CSSR) geborene Julian Chownitz, der zu dieser Zeit bereits einen ziemlich bewegten Lebenslauf hinter sich hatte. Er hatte seine Laufbahn in der Kadettenkompagnie von Olmütz begonnen und war, nach Aufgabe seines Offiziersdienstes, mit hochfliegenden Plänen zur Literatur und zum Journalismus übergewechselt. Bald schloß er sich dem Lager der österreichischen Emigranten an. In seinen in Deutschland erschienenen Flugschriften wurde er zum Kritiker des Metternich'schen Regimes. 1847 kehrte er jedoch plötzlich nach Österreich zurück und wurde dort Kleinbeamter von Mettérnichs Gnaden. Die ungarischen Märzereignisse zogen ihn nach Pest, wo er sich mit der Hoffnung auf große Erfolge erneut dem Radikalismus zuwandte und Die Opposition herausgab. Dabei nutzte Chownitz den Umstand aus, daß die deutschsprachige Bevölkerung von Pest in Ermanglung eines radikalen Blattes sich nur mangelhaft über politische Ereignisse informieren konnte. Außerdem kam ihm zustatten, daß in Pest sogar die Regierungspolitik offen kritisiert werden durfte und er so nun auch seine aggressiv-kritischen Neigungen ausleben konnte. Nach dem damaligen neuen ungarischen Pressegesetz brauchte Chownitz für die Gründung einer neuen Zeitung keine besondere Erlaubnis, es mußte lediglich vom Herausgeber oder vom Redakteur eine Kaution hinterlegt werden. Einen Verleger gewann Chownitz bald in Julius Müller, einen Miteigentümer der Buchhandlung der Gebrüger Müller, der zwar mit den radikalen Ansichten nicht sympathisierte, den aber das erzielbare Geschäft um so mehr interessierte. Nach einigem Hin-und-Her gelang schließlich auch die Versicherung der notwendigen Kaution durch eine auf das Innenstädtisches Haus der Mutter von Müller intabulierte Obligation. Am Tage nach dem Erscheinen der Probenummer, dem 10. April 1848 abends, erschien die erste ordentliche Nummer des neuen Blattes in der Trattner — Károlyi sehen Druckerei. Ziemlich zwei Monate später erlaubte der Innenminister auch den Vertrieb über die Post. Als sich die Leser, insbesondere seine ehemaligen Gegner, mit dem in der Probenummer veröffentlichten radikalen Programm bekannt machten, wurde nicht gezögert, dem Redakteur seine schon aus der Vergangenheit bekannten Verirrungen vorzuhalten. Aber die jungen Märzrevolutionären, diejenigen, die am meisten Grund und auch das Recht gehabt hätten, Chownitz nach seiner Vergangenheit zu fragen, nahmen ihn, wie auch andere Subjekte mit zweifelhafter Vergangenheit vorschnell in ihre Reihen auf. Er kam weitgehend ihrem Vorschuß weisein Vertrauen entgegen und vervolkstümlichte die radikale Politik so, daß sie weites Interesse fand. Damit wurde Chownitz zum erfolgreichen Dolmetscher der Ansichten der Märzjugend, besonders bei denjenigen, die von der ungarischen Presse aus sprachlichen Gründen nicht erreicht wurden. Seine Zeitung erlangte schon in der kurzen Zeit von einem Vierteljahr unglaubliche Volkstümlichkeit. Das wird schon deutlich aus dem sich ständig vergrössernden Format der Zeitung: das ursprüngliche Kleinoktav-Format mit 4 Blättern änderte sich bald in Quart-Format und dann in Sekond-Format. Ab 70. Nummer zum 1. Juli 1848 erschien die Zeitung in Großfolio-Format. Dabei war im allgemeinen Chownitz nicht gezwungen, Formatänderungen mit Preiserhöhungen zu verbinden, was auf den beispiellosen Absatz der Zeitung hinweist, genauso wie die Tatsache, daß er von Nummern mit wichtigen Ereignisberichten 2 — 3, ja sogar bis 18 Auflagen drucken ließ. Dieser, in nicht ganz drei Monaten erreichte, ungewöhnliche Erfolg, war in 490