AZ ORSZÁGOS SZÉCHÉNYI KÖNYVTÁR ÉVKÖNYVE 1978. Budapest (1980)
IV. Könyvtörténeti és művelődéstörténeti tanulmányok - S. Lengyel Márta: Egy fejezet 1848-i sajtónk történetéből: Julian Chownitz „Die Opposition"-ja - Ein Kapitel aus der Geschichte der Presse von 1848 in Ungarn: „Die Opposition" von Julian Chownitz
erster Linie der Revolution zu verdanken, ferner dem, in deren Folge zunehmenden Interesse für politische Blätter, besonders solchen mit radikalem Inhalt. Das einzige in deutscher Sprache bestehende liberale Blatt, Der Ungar nahm hingegen ständig in seiner Abonementszahl ab. Der grosse Erfolg Der Opposition war aber auch ganz wesentlich den großen redaktionellen Eigenschaften von Chownitz zuzuschreiben, der mit dieser Zeitung das erste eigentliche Boulevardblatt von Pest zustandegebracht hatte. Sie war lebendiger, interessanter und schneller als alle anderen Zeitungen. Dazu trug ganz besonders die persönliche Einsatzbereitschaft von Chownitz bei, der ständig selbst bei allen wichtigen Ereignissen in der Stadt am Ort anwesend war und so über Streiks, Volksversammlungen, Demonstrationen und andere landeswichtige Geschehnisse aufgrund eigener Erfahrungen berichten konnte. Dabei mußte Chownitz am Anfang sowohl selbst die Artikel schreiben als auch redigieren. Nach kurzer Zeit schon wurde es ihm aber möglich, sowohl einen Sekretär als auch andere Mitarbeiter anzustellen und sogar ständige bzw. gelegentliche Korrespondenten im Land und in Wien zu halten. Neben der inneren Vervollständigung seiner Redaktionsorganisation entwickelte er auch weitere Methoden, seine Leser sofort von allen wichtigen Begebenheiten detailliert zu informieren. So ließ er bei größeren, die Allgemeinheit interessierenden Ereignissen Extrablätter erscheinen und von in breiten Kreisen Interesse erweckenden Artikeln Der Opposition wurden selbständige Flugblätter angefertigt. Um die Wiener Vorfälle umgehend berücksichtigen zu können, verlegte er den Erscheinungstermin der Zeitung Ende Mai vom Abend auf den Morgen, weil er dadurch die Nachrichten von Wien, die abends mit dem Schiff von dort eintrafen, noch aufnehmen konnte. Darüberhinaus schickte er auf besondere Schauplätze eigene Sonderberichterstatter. Im Vertrieb seines Blattes paßte er sich den revolutionären Zeiterfordernissen an, indem er wie andere radikale Redakteure die Zeitung auch auf der Strasse verkaufen Hess. Zum grössten Kummer seiner Gegner wurde das Blatt von der Pester Bevölkerung fleißig gekauft. Die Opposition wurde von vielen gelesen, hauptsächlich von Pester und Ofner Einwohnern, denn das Blatt war ja auch in erster Linie für die Leser der Hauptstadt bestimmt, darunter vorerst für solche, die die radikalen Ansichten teilten, insbesondere für solche Gruppen, für die es immerwieder seine Stimme erhob, wie die Arbeiter, die Zunftgesellen, die Juden, die Kleinbeamten und andere niedere Angestellten. Außer diesen Bevölkerungsgruppen lasen jedoch auch Mitglieder übriger Gesellschaftsschichten, wie Advokaten, Ärzte und Studenten Die Opposition. Größtenteils lasen aber Pester und Ofner Bürger das Blatt, obwohl viele von ihnen vermutlich nur aus Neugierde und Sensationslust. Auch die Mitglieder der damaligen Regierung haben das Blatt aus Berufsgründen zur Beurteilung der politischen Lage gelesen, obgleich sie seine radikalen Ansichten selbstverständlich nicht teilten. Es ist zum Beispiel bekannt, daß der damalige Ministerpräsident Batthyány und der Kriegsminister Mészáros Die Opposition regelmäßig verfolgt haben. Im September 1848 aber, als die Gegenrevolution sich offen gegen die ungarische Revolution wandte, erschrak Chownitz, wechselte erneut seine Richtung, ließ sein Blatt im Stich und floh aus Ungarn. Die Zeitung unterstützte jedoch weiter die ungarische Revolution, nun aber ohne ihren Gründer. 491