AZ ORSZÁGOS SZÉCHÉNYI KÖNYVTÁR ÉVKÖNYVE 1968-1969. Budapest (1971)

IV. Könyvtörténeti és művelődéstörténeti tanulmányok - Fallenbüchl Zoltán: A Magyar Kamara és a könyvek - Die Ungarische Hofkammer zu Preßburg und das ungarische Buchwesen im XVI—XVIII. Jahrhundert

war sie Auszahlungsstelle auch für viele kulturelle Spenden der Könige von Ungarn. So sind im Archiv der Ungarischen Hofkammer von Preßburg viele Dokumente auf unsere Zeit geblieben, die sich auf das Buchwesen Ungarns beziehen. So erhielten königliche Geldhilfe durch die Kammer berühmte Männer der ungarischen Geschichte und Literaturgeschichte, z.B. der Unterpalatin Nikolaus Istvánffy, Verfasser der Historiarum de rebus Ungaricis . .. (Köln 1622), dann Johannes Sambucus der berühmte Humanist, Historiker und Arzt, der Jesuit Georg Káldi, Übersetzer der Bibel ins Unga­rische. Elias Berger, Poeta Laureatus und Historicus Hungarus war sogar in den Jahren um 1640 im Dienste der Hofkammer als Dreißiger zu Skalitz gestanden. Auch Paul Ritter hatte für sein poetisches Werk Nova Musa (Wien 1683) durch die Ungarische Hofkammer eine Geldgabe erhalten. Noch wichtiger als die Geldgaben, die die Ungarische Hofkammer für die Belohnten aufbringen mußte, war die Tätigkeit in der Förderung des Druckwesens und Verlagswesens. Die Kammer hatte immer Papier- und Drucksachenbedarf, auch mußten die oft genützten Schriften eingebunden werden. So entwickelte sich ein vertragsmäßiger Bund zwischen der Ungarischen Hofkammer in Preßburg und einem Buchbinder und Papierhändler, namens Jakob Kochberger, der auch für den Papierbedarf sorgte. Seine Familie blieb von 1667 bis ungefähr 1745 im Besitz des Privilegs „Cameraiis Bibliopegus" auch „Cameraiis Bibliopola" genannt, da sich diese Unternehmung auch mit Buchverkauf beschäftigte, ja gelegentlich sogar ins Verlagswesen übergriff. So hatte die Kammer in Preßburg das Wurzelfassen einer stabilen Buchhandlung ermöglicht. Das gleiche gilt auch vom Druckerei wesen ; die Kammer hatte ja einen ständigen Bedarf an gedruckten Blanketten. Um die Mitte des XVIII. Jahr­hunderts war die Druckerei Landerer Lieferant der Kammer gewesen. Die Verhandlungen der Zentralstellen zur Aufstellung neuer Druckereien in Ungarn gingen in den 1760-er und 1770-er Jahren auch mit Vermittlung der Kammer, und diese hatte auch eine gewisse Rolle in der Herausgabe der Schematismen gehabt. Auch im Bücherzensurwesen spielte die Ungarische Hofkammer eine gewisse, jedoch nur untergeordnete Rolle: Aufgabe der Kammer war die von dem Ausland nach Ungarn kommenden Bücher der Landeszensursteile in Preßburg überzugeben, was durch die Drei­ßigstämter fertiggebracht wurde. Die Ungarische Hofkammer hatte im XVIII. Jahrhundert die Herausgabe mancher Werke finanziell, wie auch technisch gefördert. Die wichtigste dieser ist die Herausgabe der verbesserten Ungarnkarte von Johann Christoph Müller (1709) die auf Intention und Kosten der Kammer verfertigt wurde. Auch der Historiker Matthias Bél, Verfasser der Notitia Hun­gáriáé Novae historico-geographica (Wien 1742—1735) hatte Angaben aus dem Kameral­archiv bekommen, wie später der Jesuit Josef Franz Pierer, der die Geschichte des Bergbaues in Ungarn verfaßte, dessen Werk aber in Handschrift blieb. Der Hofagent Michael Adami* Autor einer ungarischen Sprachlehre für Deutsche, hatte ebenfalls Hilfe der Kammer in Anspruch nehmen können. Sein deutsch-ungarisches Wörterbuch, für dessen Bearbeitung er mehrere Jahre lang eine Rente bezog, blieb aber auch in Handschrift. Unter den Beamten befanden sich poetisch begabte Männer, wie zum Beispiel Stephan Rimaszonibathy und der lateinisch dichtende Ladislaus Füleky. Auch Bibliotheksbesitzer, wie der Hofkammerrat Gabriel Stettner und der Oberzahlmeister Nikolaus Szurkovics waren in ihrem Zeitalter als Bücherfreunde wohl bekannt, aber keine Kataloge ihrer Bibliotheken sind auf imsere Zeit geblieben. 316

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