AZ ORSZÁGOS SZÉCHÉNYI KÖNYVTÁR ÉVKÖNYVE 1957. Budapest (1958)
J. Hajdú Helga: A kézirattár állományának gyarapodása a felszabadulás óta
Neuerwerbungen der Handschriftenabteilung seit dem Jahre 1945 J. HAJDTJ HELGA Die Handschriftensammlung der Ungarischen Nationalbibliothek hatte in den verflossenen 12 Jahren einen Zuwachs von rund 88 000 Nummern zu verzeichnen. In der grossen Menge der Handschriften bietet sich eine Fülle von Quellenmaterial für die Forschung auf dem Gebiete der Wirtschaftsgeschichte, der Gesellschafts- und Naturwissenschaften, der Literatur und der Kunstgeschichte. Von den grössten,in den Besitz der Bibliothek übergegangenen Sammlungen sind besonders erwähnenswert: das Handschriftenarchiv des Ungarischen Nationaltheaters, die Bestände des aufgelassenen Parlamentsmuseums, die Archive mehrerer verstaatlichter Verlagsfirmen, die besonders an mittelalterlichen Handschriften reiche Sammlung des Historikers Iván Nagy (Balassagyarmat), sowie die Bestände der früheren Festetics-sehen Bibliothek zu Keszthely. Die Erwerbung einer Reihe von schriftlichen Nachlässen namhafter Schriftsteller und Gelehrter aus jüngerer und jüngster Zeit brachte vor allem eine bedeutende Bereicherung unserer Brief- und Autographensammlung mit sich. Unter den Neuerwerbungen finden sich 73 mittelalterliche Handschriften: 64 lateinische, 4 ungarische, 3 deutsche, eine italienische und eine griechische. Drei davon stammen, in ihren ältesten Teilen, aus dem XI. Jahrhundert, einige gehen auf das XII. und XIII. Jahrhundert zurück, die Mehrzahl jedoch ist im XIV — XV. Jahrhundert und im ersten Viertel des XVI. Jahrhunderts entstanden. Der Artikel bringt zur Orientierung, vor der erst in späterer Zeit durchführbaren Publikation eines ausführlichen Katalogs der Neuerwerbungen, eine knappe Übersicht über das mittelalterliche Handschriftenmaterial. Die Zusammenstellung erfolgte nach dem Inhalt, bzw. den Verfassern der handschriftlichen Werke (für die Reihenfolge war die Anzahl der Handschriften innerhalb der einzelnen Kategorien mitbestimmend): 1. Bibelhandschriften und Bibelkommentare; 2. liturgische Handschriften; 3. Predigtliteratur; 4. theologische Werke; 5. klassische Autoren; 6. Werke aus der Zeit des Humanismus; 7. grammatische Schriften; Handschriften 8. historischen, 9. juristischen, 10. medizinischen und 11. musikgeschichtlichen Inhalts; 12. Handschriften in ungarischer Sprache (Sprachdenkmäler); 13. volkstümliche Schriften (je eine deutsche und italienische Handschrift). Von den einzelnen Handschriften verdienen hier folgende besonders hervorgehoben zu werden: Aus Gruppe 1 ein bisher irrtümlich dem Gyrillus Alexandrinus zugeschriebener, von Honorius Augustodunensis stammender Kommentar zum Hohenlied (Clmae 491), eine Handschrift, die laut einer Eintragung vom J. 1631 aus der königlichen Bibliothek zu Buda (Ofen) herrühren soll. In Gruppe 2 ist das bedeutendste Stück ein Antiphonar mit elf prächtigen Miniaturen des Sieneser Malers Giovanni di Paolo, aus den 30-er Jahren des XV. Jahrhunderts (Clmae 462). Gruppe 3 weist ein nicht vollständig erhaltenes Homiliar aus dem XI. Jahrhundert auf, das im XIII. und XIV. Jahrhundert von verschiedenen Händen ergänzt wurde (Clmae 481). In derselben Gruppe figuriert ein Sammelband mit Homilien des Oaesarius Arelatensis der u. a. auch die vom Beginn des XI. Jahrhunderts bis ins XV. Jahrhundert hinein geführte Nekrologie des ehemaligen Benediktinerklosters Wagenhausen (bei Schaffhausen) enthält (Clmae 514). Eine Abschrift von Predigten Johannes Herolts und ein angefügter Physiologus, vom Ende des XV. Jahrhunderts (Clmae 506), ist wegen einiger Glossen in ungarischer und kroatischer Sprache bemerkenswert. 125