Csiki Ernő (szerk.): A Magyar Természettudományi Múzeum évkönyve 25. (Budapest 1928)

Pongrácz, S.: Die fossilen Insekten von Ungarn, mit besonderer Berücksichtigung der Entwicklung der europäischen Insekten-Fauna

Beckens erst nur viel später, mit dem Zurückweichen des Meeres Hand in Hand erfolgt haben musste, als dann die Vorposten der Fauna teils aus dem Festlande Nordeuropas, das südlich fast bis zur Donau hinabreichte, teils aus dem südlichen Landrücken der damals südöstlich noch mit Afrika in Verbindung trat, auftauchten. Der Frage, in welcher Richtung nun die Verbreitung anderer, phy­logenetisch jüngerer Formen, z. B. der Oedipoden stattfand, müsse man auf Grund der Spezialisation gewisser Merkmale nachzufolgen, immerhin ist es bedenklich, dass primitiv und hochspezialisierte Merkmale sowohl bei den amerikanischen, wie bei den eurasiatischen Formen nachzu­weisen sind. Falls sich wirklich bestätigen liesse, dass wir in der Art Oedipoda pulehra, über welche HEEE keine Beschreibung hinterliess, einen uralten Vertreter der Gattung Chortoieeies zu erkennen haben, so liege es uns nahe anzunehmen, dass die Zerspaltung dieser Gattung in mehrere Formen schon während einer Zeit eingetroffen sei, als Australien noch mit dem eurasiatischen Kontinente zusammenhing, und dass wir folglich auch das Entwicklungszentrum der Chortoicetes-Arten weder in Afrika, noch in Australien, vielmehr in Europa zu verlegen haben, woher aus noch während der Kreide eine strahlenartige Ausbreitung dieser Gattung nach Afrika, Australien, viel später aber eine Umgestaltung derselben in den veränderten Lebensbedingungen der nordamerikanischen Prairies vor sich ging. Wie viel die Migrationstheorien in dieser Betrachtung an Tragweite verlieren, diese Frage bedarf hier keiner eingehenden Erklärung. Durch die Feststellung eines überaus hohen Alters unserer Insektenfauna erscheint uns nunmehr als überflüssig ein postglaziales oder sogar postpliozänes Vordringen sehr vieler Arten vielleicht aus einem sibirischen Entstehungs­zentrum — wie dies von vielen Forschern angenommen wird — voraus­zusetzen. W T enn ich nun, wiewohl naturgemäss, meine Auffassung, die ich anderswo 1 eingehender behandelt halte, auch hierorts in Vordergrund stelle, und wenn ich in den Ansichten über die Wanderung der Arten vielleicht von hervorragenden Forschern abweiche, so denke ich das Geständniss zu schulden, dass ich deshalb weder die Annahme eines all­mähligen Vordringens einzelner Arten, demzufolge die Möglichkeit der Veränderung innerhalb eines Verbreitungs-Areals, ferner das Zurückweichen von Arten vor der Kultur, noch die Möglichkeit der Entstehung neuer 1 Vergl. Über die tertiäre Insekterdauna von Radoboj und Ungarn und deren Bedeutung für die Entstehung der rezenten Formen. (Palaeont. Zeitschrift. Bd. VIII, Heft I, 1920, p. 108—110).

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