Horváth Géza (szerk.): A Magyar Természettudományi Múzeum évkönyve 22. (Budapest 1925)

Fejérváry, G. J.: Die phyletische Bedeutung des Prähallux und vergleichend-osteologische Notizen über den Anuren-Tarsus

paläontologischen und ethologischen Grundlage entbehrende Hypothese ihren Weg bis in die neuesten Produkte der anatomischen bezw. zoolo­gischen Literatur zu finden wußte. WOLDEMAR KOWALEVSKY, LOUIS DOLLO: der Begründer der „ethologischen Methode", OTHENIO ABEL: der Verfasser des ersten paläobiologischen Handbuches, Baron FRANZ NOPCSA, HENRY FAIRFIELD OSBORN und eine ganze Beihe vorzüglicher Forscher, besonders Amerikaner, haben uns den Weg gewiesen, auf dem ein jeder Organismus als Zeuge seiner Vergangenheit, seiner einstmaligen Lebensweise, jener Gewohnheiten, durch die, infolge kinetisch-mechanischer Reize, einzelne seiner morphologischen und besonders skeletalen Charaktere im Laufe der Stammesentwicklung entstanden sind, resp. Modifikationen erfuhren, verwertet werden kann. Die Organismen sind, im wahrhaftigsten Sinne des W T ortes, archäologische Objekte, ihre verschiedenen Spezial­strukturen besitzen den Wert uralter Inschriften, deren Hieroglyphen dem Leser oft unerhoffte Auskünfte über die im Wandel der geologischen Zeiten besessene Morphologie und Funktion der lebendigen Substanz erteilen. Ich will es versuchen, den Anurenfuß, der ja der einzige Träger eines normal auftretenden „sechsten Strahles," eines Prähallux, ist, im Lichte der ethologischen Methode zu analysieren, und hoffe hiemit die Entstehung und Funktion dieses Tarsalelementes naturgetreu und auf ihren eigent­lichen phyletischen Wert reduziert vergegenwärtigen zu können. Da es sich um ein phyletisches Problem handelt, wird es wohl logisch erscheinen, wenn ich zuerst auf die paläontologischen Befunde hinweise, da ja die heutige Lebewelt naturgemäß ungemein ärmlich der fossilen gegenübersteht, so daß eine maßgebende phyletische Meinung nie über eine rezente Gruppe geäußert werden darf, ohne die fossile Sippschaft derselben vorerst ebenfalls einem eingehenden Studium unterzogen zu haben. Die Osteologie der ältesten fossilen Amphibien (Stegocephalen) ist schon ziemlich gründlich erforscht worden, aber es wurden auch bei diesen ancestralen Amphibien, welche vorwiegend den paläozoischen Syste­men angehören, nie mehr als fünf Zehenstrahlen 1 vorgefunden, und 1 Auf die Frage nach der Zahl der Finger bei den Stegocephalen kann hier nicht eingegangen werden ; die Normalzahl der Fingerstrahlen ist hier entschieden vier, und nur bei einigen Formen (Scincosaurus, Urocordylus, Seeleya, Melanerpeton, Eryops) sollen fünf Finger gefunden worden sein, eine Beobachtung, resp. Annahme, deren Richtigkeit von 0. ABEL auf das entschiedenste in Abrede gestellt wird. Laut AUEL stellt der Daumen „eine Neuerwerbung der Reptilien " dar (Paläobiol. d. Wirbeltiere, Stuttgart, 1912, p. 220), welcher „auch heute noch bei den Molchen" „fehlt," während er „bei den Fröschen in Gestalt einer werdenden Bildung (eines „Oriments")" auftritt (Lehrb. d. Paläozool., Jena, 1920, p. 350). Hier möchte ich bloß bemerken, daß Eryops, auch nach der neuesten Rekonstruktion, welche sich auf S. 281 der

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