Horváth Géza (szerk.): A Magyar Természettudományi Múzeum évkönyve 22. (Budapest 1925)
Fejérváry, G. J.: Die phyletische Bedeutung des Prähallux und vergleichend-osteologische Notizen über den Anuren-Tarsus
Wichtigkeit war, da es sich ja bei den Anuren nicht um das akzidentaie Auftreten eines VI. Strahles handelt, der von den Anhängern des oppositionellen Lagers (d. h. denen der Theorie eines fünfstrahligen Cheiropterygiums) als eine monstruöse (pathologische) Erscheinung zu deuten gewesen wäre, sondern um das unbestreitbar normale Vorhandensein eines „überzähligen Zehenstrahles" in einer niederen Wirbeltierordnung. Somit wurde nun das Auftreten überzähliger Finger, resp. Zehen auch bei den Säugern (z. B. beim Menschen) sehr oft als Atavismus, und nicht als Monstruosität gedeutet, als Rückschlag auf ein mehr als fünf Strahlen zählendes Cheiropterygium. Sogar die im Jahre 1922 in ihrer XII. Auflage erschienene 2. Abteilung des von Prof. KOPSCH neubearbeiteten vorzüglichen Werkes: RAUBER, „Lehrbuch und Atlas der Anatomie des Menschen", Leipzig, reproduziert 1 WiEDERSHEiM'sche Schemata der Hand und des Fußes von Homo, an denen die „Spuren des Praepollex resp. Praehallux" angedeutet sind. Auch mit der Hypothese von den Rudimenten eines sechsten und siebenten Strahles befaßt sich Prof. KOPSCH 2 , bemerkt aber, daß es „bei der gegenwärtigen Lage der Erfahrungen zweifelhaft" bleibt, ob „man aus solchen Befunden schließen darf, daß die Hand und der Fuß der höheren Wirbeltiere aus einer mehr als fünfstrahligen unmittelbaren Urform abzuleiten seien" ; weiterhin hebt er, im Anschluß an EMERY, ganz richtig hervor, es sei sehr „wahrscheinlich, daß kein Ursäugetier jemals einen als freien Finger funktionierenden Praepollex besessen hat". Betreifs des diesbezüglichen Verhaltens niederer Wirbeltiere aber, und hinsichtlich der mutmaßlichen Strahlenzahl des ancestralen Cheiropterygiums im allgemeinen, wird auch von KOPSCH keine Meinung geäußert, obwohl es eben diese Seite des Problems ist, welche in phylogenetischer Beziehung eine besondere Aufmerksamkeit erheischt. Soweit nur die Morphologie selbst in Betracht gezogen wird, besonders wenn dies im Banne einer anziehenden, geistreich ausgearbeiteten Theorie oder Hypothese geschieht, welche die Unbefangenheit des Forschers sehr oft schon subconscient beeinträchtigt, kann man sich ja mit dem Gedankengange der oben skizzierten Auffassung abfinden, und dieselbe sogar als innerhalb der Sphäre phyletischer Möglichkeit, resp. Plausibilität stehend betrachten. Zieht man aber die Ergebnisse der Paläontologie zum Vergleiche heran, und ist man die ethologische Forschungsmethode zu befolgen gewohnt, so fragt man sich, wie die Präliallux-Theorie in ihrer heutzutage üblichen Fassung denn überhaupt zu entstehen vermochte, und wie es möglich sei, daß diese, einer jeglichen 1 P. 160, Fig. 202 u. 203. 2 L. c.