Horváth Géza (szerk.): A Magyar Természettudományi Múzeum évkönyve 5. (Budapest 1907)
Méhely, L.: Archaeo- und Neolacerten. (Erwiederung an die Herren G. A. Boulenger, F. R. S. und Dr. F. Werner)
480 L. y. méhely streiften Formen und es ist zweifellos, dass aus denselben durch Verschmelzung die hellen Dorsal-, Supraciliar-, Subocular- und Mandibularstreifen hervorgehen. Bei der ebenfalls in beiden Geschlechtern reticulierten Lacerta tiliguerta begegnen wir schon öfters solchen alten Weibchen, die die vorhin erwähnten Längsstreifen in ziemlich deutlicher Ausbildung aufweisen. Noch häufiger stossen wir auf derartige Weibchen bei Lacerta nigriventris (Bru eg gemannt), bis schliesslich bei Lacerta muralis deutlich längsgestreifte Weibchen vorherrschen und bei den jüngsten Formen (Lacerta campestris , fiumana, sicula, ionica, taurica und peloponesiaca) alle Weibchen scharf längsgestreift sind. Da der Fortschritt und die Verallgemeinerung dieses Farbmusters mit der stufenweisen Entwicklung des Schädels und des Schuppenkleides einhergeht, dürfte es ganz klar sein, dass die Längsstreifung eine spätere Errungenschaft ist, die in erster Linie von den Weibchen erworben wird. Das Farbmuster der Männchen entwickelt sieh in derselben Weise, nur wird das klare Bild der Entwickelung theils durch secundär aufgenommene Schmuckfarben, theils durch das rapide Anwachsen des Körpervolumens getrübt, da die bei den jungen Männchen ebenfalls vorhandene Längsstreifung im späteren Alter secundär zerzogen, respective in Flecken aufgelöst wird. Hiermit bekundet das gestreift-gefleckte Farbenkleid eines zu einem scharf längsgestreiften W 7eibchen gehörenden Männchens keinen ph y le tischen Fortschritt, sondern einen secundären Bückfall, dessen Erklärung in dem Zwange mechanistischer Ursachen zu suchen ist. Der weiteren Annahme, wonach das von den alten Männchen erworbene Farbmuster auf die Weibchen und Jungen übertragen werden soll, muss ich auch entschieden widersprechen, da es ganz zweiffellos ist, das gerade umgekehrt das Farbmuster der Weibchen auf die Männchen übergeht. Möge das Weibchen wie immer gezeichnet sein, die neugeborenen, jungen und halberwachsenen Männchen erscheinen stets im Farbenkleid des W Teibchens. Wir finden oft auch vollkommen erwachsene Männchen in dem für das Weibchen charakteristischen Farbenkleid und nur im vorgerückten Alter tritt — mechanischen Ursachen zufolge — eine Änderung ein, die jedoch für die Art keinen Fortschritt bedeutet. Betreffs der Phylogenese des Farbenkleides kann demnach viel eher von einer weiblichen Präponderanz, als — wie es EIMER gethan * — von einer männlichen gesprochen werden, da der die Art * Untersuch, üb. d. Variiren d. Mauereidechse. (Arch. f. Naturgesch., 1881. p. 462, 441.)