Czére Andrea szerk.: A Szépművészeti Múzeum közleményei (Budapest, 2007)

JÜRGEN ZIMMER: Addenda - Weitere Zeichnungen von Joseph Heintz

Der Musikkultur widmete sich der Hof Rudolfs II. mit den renommierten Kapellmeistern Philip de Monte und Ferdinand de Lasso (einem Sohn Orlandos di Lasso) und dem Kammer­musikanten Charles Luython auf hohem Niveau, eine bedeutende Anzahl von Sängern, Bassis­ten, Tenoristen, Altisten und Diskantisten sowie zwölf Sängerknaben gehörten der Hofkapelle an, in der Instrumentalisten jedoch fehlen; Pfeifer gab es unter den Trabanten, Lautenisten, Pauker und Trompeter in anderen Abteilungen des Hofstaats, Flötisten jedoch nicht und Frau­en als Sängerinnen oder Instrumentalistinnen ohnehin nicht. In der rudolfinischen Hofkunst sind Musizierende zwar ein sehr seltener Bildgegenstand, aber nicht gänzlich unbekannt. Ein Dirk de Quade van Ravesteyn zugeschriebenes Gemälde im Wiener Kunsthistorischen Museum (Gemäldegalerie, Inv. Nr. 3080) zeigt eine Flötenspielerin in einem Innenraum mit weiteren Musikinstrumenten und mag als Allegorie der Musik verstanden werden. Mit dieser vergleichsweise steifen Darstellung verbindet die beiden anmutigen Flötenspielerinnen von Heintz formal nichts, es sei denn, dem Instrument Flöte war eine besondere Bedeutung bei­gelegt, etwa im Sinne einer erotischen Metapher.' Wir wissen auch nicht, ob man die Heintz­Skizze ganz unbedenklich der rudolfinischen Hofkunst zurechnen kann, weil wir über ihre Veranlassung nichts wissen. Sie ist wohl ebenso wenig als Allegorie zu verstehen wie als Dar­stellung „aus dem Leben". Capriccio dürfte eine traditionelle, gleichwohl zutreffende Klassi­fizierung sein, auch wenn wir nichts über die kommunikative Strategie wissen, die mit dieser Figuration verbunden sein könnte. Bei den Instrumenten in Ravesteyns Gemälde und in der Heintz-Skizze handelt es sich offensichtlich um jeweils eine Querflöte, das „von Frauen gerne und vielleicht am liebsten gespielte Blasinstument". 8 MARIA MIT DEM KIND UND MARIA MAGDALENA (ABB. 13) Es ist bemerkt worden, die Zeichnung sei von Correggios Madonna mit dem Hl. Hieronymus (Il Giorno) von 1523/28 (Parma, Galleria Nazionale) abhängig bzw. inspiriert (Auktionskatalog 2000). Auf die bloße Ikonographie mag das zutreffen. Das Gemälde Correggios, schon von Vasari als Exponent der maniera moderna gerühmt, hat sich wohl bis um 1712 in der Kirche S. Antonio Abbate (Cappella di S. Gerolamo der Familie Colla) in Parma befunden. 9 In diesem berühmten Werk schickt sich Maria Magdalena ebenfalls an, den Fuß des Kindes zu küssen, die heiligen Personen der Szene sind von bedeutender, überirdischer Schönheit. Ob Heintz Correggios Gemälde jemals gesehen hat, wissen wir nicht. Gleichwohl trifft er sich mit Cor­rcggio in der Wahl des Bildgegenstandes und teilweise auch in der Auffassung dieses Motivs und der beteiligten Personen.

Next

/
Thumbnails
Contents