Czére Andrea szerk.: A Szépművészeti Múzeum közleményei (Budapest, 2007)

JÜRGEN ZIMMER: Addenda - Weitere Zeichnungen von Joseph Heintz

Gerade die Konfrontation mit Correggios mehr als siebzig Jahre älterem Gemälde - wenn nicht schon der Anblick des Heintz-Blattes - macht aber die grundsätzlichen Unterschiede zwischen beiden Werken deutlich: Bei Heintz ist allenfalls die Madonna von (intentionell) überirdischer Schönheit, sie sitzt jedoch auf einem Thron über drei Stufen, auf denen Maria Magdalena kniet. Heintz betont die hieratische Haltung seiner Darstellung noch durch eine Pfeilerarchitektur, die entweder zum Thron gehört oder sich dahinter befindet und bis in die Wolken (?) reicht. Die Komposition ist damit fest gefugt und pyramidal auf die Mitte konzent­riert. Hat er sich damit von der maniera moderna seiner Vorläufer abgesetzt oder war das die von ihm entwickelte 'maniera moderna} Solche Fragen wären nur berechtigt, wenn man wüßte, dass sich der Zeichner von derartigen - kunsthistorischen - Einschätzungen jemals hat leiten lassen. Der Aufbau seiner Komposition steht so ganz im Gegensatz zu Correggios Werk, in dem sich die mit zwei Engeln und dem Hl. Hieronymus erweiterte Gruppe frei und anschei­nend zwanglos in einem ländlichen Ambiente mit weitem Ausblick in eine hügelige Landschaft mit antiken Architekturen entfaltet, die heiligen Personen brauchen keine anderen Zeichen ihres überirdischen Wesens als ihre Schönheit. Die in ihrem streng konzentrierten Aufbau doch liebliche Darstellung von Heintz scheint derselben Zeit zu entstammen wie die ebenso locker gezeichnete Skizze der Hl. Barbara in Budapest (Z88, A71 Abb. 110). Es wurde angenommen, dass die Budapester Skizze der Zeit zwischen 1595 und 1600 angehört, ebenso wie die voll ausgearbeitete Zeichnung der Sacra Conversazione in Vaduz (Z88, A72 Abb. 111), die wiederum im Zusammenhang mit dem mitt­lerweile berühmten Altarblatt der Sacra Conversazione in der Barbarakapelle bei St. Thomas auf der Prager Kleinseite (Z71, A9 Abb. 20) zu sehen ist. In allen drei Werken hat Heintz die ganz ähnliche, kniende Frauengestalt verwendet bzw. entwickelt. Die Maria der Zeichnung hier gleicht im Typus und mit ihrem lieblichen Gesichtsausdruck der Maria in dem genannten Prager Gemälde, aber auch in dem Stuttgarter Gemälde Heilige Familie mit Engel. (Z71, A5 Abb. 10). Alle drei scheinen Correggios „Stil" zu folgen, viele Maler nach ihm haben jedoch ebenso von ihm gelernt und so kann dieser Eindruck auch auf anderen Einfluss zurückgehen. Mit diesen Werken ist der Umkreis beschrieben, in den sich die Zeichnung fügt, ohne dass eines der Werke sicher datiert wäre. Auch eine Maria mit dem Kind in Hamburg gehört in dieses Umfeld, sie zeigt jedoch die Mutter, w r ie sie ihr schon relativ großes Kind füttert fast ohne repräsentative Attitüde. 1 " In den genannten Zeichnungen von Heintz fällt auf, dass die variierte Figur, sei es die Hl. Bar­bara oder die Hl. Maria Magdalena, dem sonst von Heintz favorisierrten Schönheitsideal nicht entspricht; die weiblichen Heiligen sind von quasi bäuerischem Habitus und Aussehen.

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