Tátrai Vilmos szerk.: A Szépművészeti Múzeum közleményei 95. (Budapest, 2001)

GOETTE, HANS RUPPRECHT: Beobachtungen an kaiserzeitlichen Skulpturen in der Antikensammlung

auftritt, 17 ist der Gewand-Überfall auf der linken Schulter, der einen Bausch über dem Oberarm bildet. Der Typus der Toga, ihre Länge, ihr Volumen und besonders ihr Faltenstil lassen sich am besten mit Togadarstellungen der claudisch-neronischen Zeit verbinden. 18 Hier findet man auch die beschriebenen Formen der variierenden, lebendig wirkenden Wiedergabe von Faltengraten. 19 Diese chronologische Einordnung unseres Relief­fragmentes wird sodann auch durch das wenige, was vom Hintergrund-Portrait erhalten ist, bestätigt: Die abgeflacht kantigen, recht breiten und langen Strähnen, die durch je eine feine Linie gegliedert sind, lassen sich mit ähnlichen Motiven bei frühen Nero­Bildnissen vergleichen 20 und legen somit wiederum eine Datierung des Reliefs in die beiden Jahrzehnte nach 50 n.Chr. nahe. Das Fragment ist offensichtlich Teil eines größeren Reliefs, eines Frieses: Die Darstellung des nach links gewandten Mannes im Hintergrund läßt sich so nur an den sog. historischen Reliefs nachweisen. Und auch die Qualität der Arbeit legt einen offiziellen, staatlichen Auftrag näher als einen privaten für ein Grabrelief. Somit gilt es zu ermitteln, um welchen Ausschnitt und welchen Personenkreis es sich bei dem erhaltenen Fragment dieses zu erschließenden Staatsreliefs handelt. Über den einstigen sozialen Stand der dargestellten Togati läßt sich nichts mehr ermitteln: Es fehlen leider die Füße mit den für derartige Fragen aussagekräftigen Calcei. 21 Angesichts der Frontalität und der spiegelbildlich ponderierten Haltungen der beiden Vordergrundfiguren, die eine Bewegung (etwa eines Festzuges) unterbrechen oder gar ausschließen, mag man fordern, es habe sich um politisch wichtige, bekannte Persönlichkeiten gehandelt. Denn bei den sog. historischen Reliefs der römischen Kaiserzeit kommt eine Bewegung meist in der Nähe der Hauptperson oder der zentralen Darstellung zum Stocken oder erliegen; da einerseits die Hintergrundfigur nach links orientiert ist, die Togati im Vordergrund andererseits aber bereits zum Stillstand gekommen sind, muß es sich wohl um Personen - im übertragenen wie auch im bezüglich der Reliefdarstellung tatsächlichen Sinne - der näheren Umgebung des Kaisers (Claudius ?) handeln, der selbst wenig weiter links dargestellt gewesen sein mag. Eine Zuweisung an ein bekanntes Staatsrelief oder einen derartigen Fries-Zyklus aus jener Zeit oder eine Verbindung mit anderen Fragmenten erscheint derzeit leider nicht möglich, mag aber nach Erscheinen der zusammenfassenden Darstellung dieser Denkmälergattung noch einmal aufgegriffen werden. 22 18 s. bes. Goette, a.O. (Anm. 11). Ba 245-246 Taf. 10,4-5 (die Nero-Statuen in Paris und Parma) sowie Ba 165 Taf. 9,2 (Palermo). 19 R. Amedick, Frühkaiserzeitliche Bildhauerstile, Rheinfelden 1987, 27^t3 Abb. 11-13 (andere von Amedick aufgeführte Beispiele zeigen anderen Stil, etwa die, a.O., 55 genannte angebliche Fundgruppe von Korinth, dazu s. H.R. Goette, AM 103 (1988) 254-258). 20 U.W. Hiesinger, AJA 79 (1975) 113-124; M. Bergmann - P. Zanker, Jdl 96 (1981) 321-332; Fitt­schen - Zanker, a.O. (Anm. 5 b), I 17-18 Nr. 17 Taf. 17 (unten rechts). 21 H.R. Goette, Jdl 103 (1988) 449^64. 22 Diese zusammenfassende Darstellung wird von T. Hölscher vorbereitet; s. vorerst: G. M. Koeppel. BJb 183 (1983) 71-74. 98-107 Kat.Nrr. 12-15. - Nach den zu rekonstruierenden Abmessungen des Frieses läßt sich - in Kombination mit den Stilmerkmalen - bislang eine Zugehörigkeit zu bekannten historischen Reliefs oder Relieffragmenten nicht nachweisen.

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