Tátrai Vilmos szerk.: A Szépművészeti Múzeum közleményei 95. (Budapest, 2001)

GOETTE, HANS RUPPRECHT: Beobachtungen an kaiserzeitlichen Skulpturen in der Antikensammlung

C. DAS FRAGMENT EINER FLUSSGOTT-STATUETTE Aus dem alten Bestand des Nationalmuseums stammt ein kleines Werk, das 1943 in der Form einer zu einem Silen ergänzten Büste (Abb. 37) dem Museum der Bildenden Künste übergeben wurde. 23 Es besteht aus feinkörnigem Marmor und besitzt im gegenwärtigen Zustand (Abb. 38-41), d.h. ohne die Ergänzungen des Oberkopfes und des Büstenfußes, eine Höhe von 23,5 cm und eine Breite von 29 cm. Von der antiken Figur fehlen die obere Hälfte des Kopfes (oberhalb des Mundes), der rechte Arm mit einem Teil der Schulter, der linke Arm, der wenig oberhalb des einst aufgestützten Ellbogens gebrochen ist, und der gesamte Unterkörper etwa ab der Höhe des Bauchnabels; der Oberkopf und die rechte Schulter mit dem Armansatz wurden an glatt beschnittene Flächen mittels Dübeln angesetzt. Die Unterseite des Fragmentes ist als Bruchfläche erhalten. Durch die Entfernung der nachantiken Hinzufügungen, insbesondere des angefügten Efeu-bekränzten Kopfteiles, das das kleine Werk entstellte, ist der Blick nun frei auf den Torso eines älteren, breit nach links gelagerten Mannes mit langem Haupthaar und bis weit auf die Brust reichendem Bart; seine linke Schulter ist von einem herabfallenden Mantel bedeckt. Die einst dargestellte Körperhaltung ergibt sich aus dem Fall der langen Bartsträhnen und der Mantelfalten: Der Oberkörper war in schräger, zur Linken geneigter Ausrichtung auf den linken Arm gestützt; hier ist die vom Gewand bedeckte Schulter deutlich höher hinaufgeschoben. Der Kopf saß fast gerade, nur sehr leicht zur Linken geneigt, auf den Schultern, der Blick des Bärtigen ging geradeaus. Diese rekonstruierbare gelagerte Haltung, die weiche, von fülligen Altersformen bestimmte und ohne starke Inskriptionen auskommende Gestaltung des Oberkörpers und die lang herabfallenden Haar- und Bartsträhnen, die wie fließend wirken, rufen sogleich zahlreiche ähnliche Darstellungen in Erinnerung, die Flußgötter wiedergeben. 24 Anhand dieser Parallelen läßt sich dann auch unser Torso annähernd ergänzen: Das Haupt mag einst mit Schilf oder anderen Blättern bekränzt gewesen sein, 25 der linke Arm ruhte auf einem Grund, der vielleicht mit Angaben das Ufer belebender Flora oder gar Fauna differenziert war; 26 der rechte Arm, der nach Ausweis des Erhaltenen in etwa waagerechter Haltung nach links ging, kann auf dem Knie des angewinkelten 23 Inv. Nr. 50.1321. Abbildungsnachweis: Neg. Museum A. 27981; A. 30578-30581; Abb. 37: Photograph: G. Fittschen-Badura; Abb. 38-41: Photograph: Verf. 24 Zu gelagerten Flußgöttern: C. Wehs, Griechische Flußgottheiten in vorhellenistischer Zeit, Würzburg 1984, 151-153; Klementa 1993. 25 In der monumentalen Überlieferung kommen verschiedene Ptlanzen als Kranz-Materialien vor (s. Klementa 1993, passim; Schilf z.B. ebenda 55-57 Nr. B 3 Taf. 12,24 und 13,26). Ähnliches läßt sich sodann auch in der Mosaikkunst nachweisen, s. Verf., DaM 5 (1991) 71-80 mit weiteren Literaturangaben. 26 Ein Überblick über die bei Klementa 1993, Taf. 7-38 abgebildeten Statuen zeigt die Variationsbreite; bisweilen dienen die Angaben zu näherer Charakterisierung des jeweils dargestellten Flusses.

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