Tátrai Vilmos szerk.: A Szépművészeti Múzeum közleményei 95. (Budapest, 2001)
GOETTE, HANS RUPPRECHT: Beobachtungen an kaiserzeitlichen Skulpturen in der Antikensammlung
sie ist in den größten Partien als gut erhalten zu bezeichnen. Allerdings erkennt man am Oberarm der rechten Figur und in den Bereichen daneben und bei der Hintergrundfigur im Tunika-Ausschnitt, am Hals sowie zu seinen Seiten moderne, geringfügige Glättungen. Auffallend ist dann noch, daß der Reliefhintergrund unterschiedlich stark ist: Am antiken rechten Rand der Platte ist er deutlich stärker als an der linken Bruchkante. Dies mag mit einer nachantiken Abarbeitung der Plattenrückseite zusammenhängen - eine Hypothese, die gegenwärtig nicht zu verifizieren ist. Das Relieffragment zeigt zwei im Vordergrund stehende Togati, die frontal zum Betrachter ausgerichtet sind; ihre Standmotive sind spiegelbildlich - die rechte Gestalt steht auf dem linken, die linke dagegen auf dem rechten Bein -, dadurch wirken sie einander zugewandt. Zwischen ihnen erscheint im Hintergrund ein weiterer Mann, von dem der Tunikasaum, ein Teil der Schultern mit der Toga und der Hals sichtbar sind, während vom nach links gewendeten, im Profil dargestellten Kopf nur mehr der bartlose Unterkiefer sowie das Nackenhaar erhalten blieben (Abb. 36). Die Gewänder sind durch z.T. tiefe Falten gegliedert: In der Brustmitte erkennt man bei beiden Dargestellten je zwei tütenförmige Motive übereinander angeordnet, die die Tunika gliedern; jeweils an den rechten Flanken der Oberkörper fällt eine dicke Falte, die vom Arm und vom Körper durch tiefe, verschattete Furchen getrennt ist, fast senkrecht herab und staut sich über dem Balteus der Toga. Feinere, recht weich gebildete Knitterungen des dünn charakterisierten Tunikastoffes, der Wechsel von leichten Verdickungen und schmalen, schärferen Kanten der Faltengrate sowie Reste von Liegefalten bezeugen die gute Qualität der Arbeit. Diese wird auch in der Charakterisierung des Togastoffes deutlich: Der schwerere Wollstoff fällt in breiten, tief hinterschnittenen Faltenbahnen zwischen und neben den Beinen in leichtem Schwung herab; die Beine selbst treten deutlich unter dem Gewand hervor, das also die Unterkörper nicht verbirgt sondern eher betont; die flachen Faltenmotive auf den BeinOberflächen umziehen die Körperform geradezu. Auch hier sind die Variationen der Faltengrat-Wiedergabe bemerkenswert: Es wechseln feine, scharfkantige Grate mit weicher gebildeten Stoffverdickungen, der Faltenschwung ist bisweilen - allerdings nicht überall - durch abrupte Knicke unterbrochen. Auch in der Toga, vor allem auf dem linken Bein des rechten Togaus erkennbar, lassen sich feine Liegefalten ausmachen. Die Anlage des römischen „Staatsgewandes" ist die seit augusteischer Zeit übliche, die sich bis in die Spätantike verfolgen läßt. 16 Sie wird bestimmt von dem vor dem Bauch liegenden, breiten, durch tiefe Faltcntäler gegliederten Balteus, den darüber fallenden U-förmigen Umbo, der dann zur linken Schulter hochgezogen wird, und den tiefen Schwung des Sinus, dessen Saum hier auf Höhe der Knie endet. Uber den angewinkelten linken Arm ist schließlich der eine der beiden Toga-Zipfel (der andere erschien unter dem unteren Saum zwischen den Schuhen) geworfen; die Lacinia fällt mit zickzackförmigem Rand herab und ist durch ein hier fein dargestelltes Bleigewicht beschwert. Ein auffallendes Motiv der Togaanlage, das besonders oft in claudischer und flavischer Zeit begegnet, aber auch noch im früheren zweiten Jahrhundert n.Chr. 16 S. dazu zusammenfassend mit der älteren Literatur Goette, a.O. (Anm. 11). 17 s. etwa Goette, a.O. (Anm. 11), Ba 205 Taf. 9,5 (Mailand); Ba 256 Taf. 11,6 (Paris); Ba 315-316 Taf. 12,4-5 (Rom); zudem Bb 8 Taf. 4,5 (Rom); Bb 9 Taf. 15-16 (Benevent).