Tátrai Vilmos szerk.: A Szépművészeti Múzeum közleményei 92-93.(Budapest, 2000)

GERSZI,TERÉZ: Die Zeichnungen von Herman van Swanevelt

ist. Anscheinend haben wir es mit unterschiedlichen Beleuchtungsvarianten von zwei ähnlichen Kompositionen zu tun. Swanevelts andere Budapester Zeichnung aus seiner Pariser Periode, die Fluß­landschaft mit Stadt auf dem Berg (Abb. 71 ), gehört in die Gruppe der lavierten Feder­zeichnungen. 56 Sie kam aus der Sammlung Antonio Cesare Poggi als Swanevelt in die Sammlung Esterházy. Die geometrische Grundstruktur der ausgewogenen, großzügi­gen Komposition zeugt von deutlicherer klassizierender Absicht als die vorher bespro­chene Zeichnung. Die minuziöse, kleinteilige Zeichenmanier verbindet sie mit den Radierungsvorlagen des Künstlers in den Uffizien. Die nächste Analogie bietet die Landschaft mit großen Bäumen und Figuren (Florenz, Uffizien) (Abb. 72), 57 die eine reduzierte Variante der Budapester Komposition im Hochformat darstellt. In beiden kommt das Menschenpaar mit Kind vor, das mit dem Rücken zum Betrachter unter einem Baum sitzt (wie auch in einem schönen Blatt des British Museum). 58 E. K. J. Reznicek hielt dieses Blatt in Florenz, die zur großen Gruppe der Radierungsvorlagen in den Uffizien gehört, für ein spätes, nach 1652 entstandenes Werk von Swanevelt. 59 Wahrscheinlich ist die Budapester Zeichnung in den späten Pariser Jahren des Künst­lers entstanden, in der Periode, die Ende der vierziger Jahre einsetzte. Wie bereits erwähnt, gibt es im Zusammenhang mit der Kunst von Swanevelt, be­sonders mit seinen Zeichnungen, sehr viele offene Fragen. Einige Schlußfolgerungen zeichnen sich dennoch bereits ab. Allen voran, daß seine Zeichnungn aus der römi­schen Periode sehr abwechslungsreich und außerordentlich qualitätvoll sind. Es hat den Anschein, als wäre seine Beziehung zu Bril noch bedeutender gewesen als früher angenommen, deshalb verdiente diese Frage tiefergehende besondere Untersuchun­gen. Swanevelt knüpfte auch sehr stark an den Ergebnissen von Cornelis van Poelenburch und Bartholomeus Breenbergh an, so wird er mit Recht als ein Verbin­dungsglied zwischen der ersten und der zweiten Generation der italienisierenden Ma­ler angesehen. Obwohl ihn die ähnlichen Themen, Kompositionen und der verwandte Zeichenstil auch mit Claude Lorrain verbinden, ist der bezeichnende, eigene Charakter von Swanevelts Zeichenkunst unbestreitbar und fügt sich genau in die Kette, die mit Bril, Poelenburch und Breenbergh begann und - unter anderen - auch über die Zeichen­kunst von Swanevelt von Jan Both, Jan Asselijn, Claes Pietersz. Berchem und Jan Baptist Weenix weitergeführt wurde. 60 TERÉZ GERSZI Übersetzt von Anikó Harmath Inv. Nr. 1508. Feder in Grau, graubraun laviert, 182 x 184 mm. Wasserzeichen: Narrenkappe (Typ von Heawood 1943), Literatur: Németalföldi rajzok XVI.-XIX. század [Niederländische Zeichnungen 16.­19. Jh.], Ausstellungskatalog, Budapest 1932, Nr. 119. 57 Mostra di disegni fiamminghi e olandesl (E.K.J. Reznicek), Gabinetto Disegni e Stampe degli Uffizi, Firenze 1964, Nr. 86, Abb. 87 (zur Radierung Bartsch 112). 58 Hind, a. a. O. (wie Anm. 4), 67, Nr. 17, Taf. XXXIX. 59 Firenze 1964, a. a. O. (wie Anm. 57). 67. 60 Für die mir zugesandten Fotos und die freundlichen Auskünfte möchte ich mich an dieser Stelle bei folgenden Kollegen und Kolleginnen herzlich bedanken: Maria van Berge-Gerbeaud, Holm Bevers, Chri­stian Dittrich, Martin Royalton Kisch, Konrad Renger, Peter Schatborn, Manfred Seilink, Françoise Viatte.

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