Garas Klára szerk.: A Szépművészeti Múzeum közleményei 56-57. (Budapest, 1981)
GARAS, KLÁRA: Christian Seybold und das Malerbildnis in Österreich im 18. Jahrhundert
geboren. 3 Da jedoch „Johann Christian Seybold, Maler, geboren von Mantz, des Johann Peter Seybold und Catharinae Sohn" am 8 IX. 1715 in Wien heiratete/' ist 1703 als Geburtsjahr ausgeschlossen und auch 1697 etwas fraglich. Seine Frau, Maria Elisabeth Wimmerin, die zwei Jahre danach stirbt, war damals 23 Jahre alt, es ist wenig wahrscheinlich, daß Seybold nur 18. Jahre alt und bereits fertiger Maler gewesen wäre. Wir können wohl mit Recht die auf den Totenprotokoll beruhende Angabe vom Geburtsdatum 1690 für gültig halten. 19. V. 1718 wird Christian Seybold „controve Maler", Witwer, mit Maria Susanna Bellmonin in Wien getraut, von der ihm ein Sohn Jacob Franz Adam (1719) — der spätere Jesuitenpater — und eine Tochter, Anna Franziska (1721) geboren werden. 1731, 1732, 1734, 1737, 1738, 1739, 1742, 1743 erscheint sein Name in den Wiener Totenprotokollen bei Gelegenheit des Dahinscheidens von neugeborenen oder kleinen Kindern: 1718—1719 wird er als „Controve Maler" — also als Bildnis Maler —, 1731—1742 als Akademiemaler, 1738—1743 gelegentlich als Kunstmaler bezeichnet. 5 Er muß also schon mindestens seit 1731 der Wiener Akademie angehört haben, A. Weinkopf führt ihn in seiner Geschichte der K. K. Akademie (1783) als Assoziierten an. Obwohl diesen knappen Angaben nur wenig über die künstlerische Herkunft Seybolds zu entnehmen ist, kann in Kenntnis der allgemeinen Bedingungen und Umstände angenommen werden, daß er eine übliche Malerausbildung genossen hatte. Da er als Maler und Bürger in Wien die Profession ausüben durfte, hatte er sicherlich die nötigen Studien, Lehrlings- und Gesellen jähre sowie die Meisterprüfung hinter sich. 0 Wenn Hagedorn behauptet „il n'eut d'autre maître que son génie", so will das kaum mehr bedeuten als, daß er bei einem ganz unbedeutenden Maler gelernt hat, und da er bereits 1718 als „controve Maler" gilt, mag es ein Bildnismaler gewesen sein. Seybold hat wahrscheinlich in Wien gelernt, oder mindestens seine Studien dort beendet, er muß seine Vaterstadt Mainz ganz jung verlassen haben. Die Umstände, unter denen er zuerst in Wien beschäftigt wird, sind jedoch ungeklärt. Wir wissen nur von einem einzigen konkreten Porträtauftrag: nach Zeugnis des Stiches der Brüder Schmutzer von 1728 hat er den Grafen Johann Adam Questenberg „ad vivum" gemalt. 7 Das Bild — das wir nur mehr nach dem Stich kennen, zeigt den Grafen als Kammerherrn in Staatsperücke und festlicher Kleidung im Lehnsessel sitzend. Ein Dekret neben ihn auf dem Tisch bezieht sich auf seine Ernennung 3 Das kleine Selbstbildnis der Liechtenstein Galerie ist „C. Seibolt pinxit/alt 58: Ano 1761/geb: zu Mayntz" beschriftet. Die Kataloge von 1767, 1780 erwähnen diese Inschrift nicht, sie wurde später hinzugefügt. Wienerisches Diarium 1768 Nr. 80 vom 5 Oktober. Totenprotokoll vom 29 September 1768 im Archiv der Stadt Wien. 4 S. Hajdecki, A.: Quellen zur Geschichte der Stadt Wien. Wien, 1908. VI. Nr. 8690. Da Name der Frau (Maria Elisabeth) und die Adresse (im schwarzen Rössl am Spittelberg) dieselben sind, muß er auch jener, als Johann Joseph Seibolt verzeichneter Maler sein, dessen Sohn Johann Michael am 1 Okt. 1715 getauft wird — allerdings etwas zu früh nach der Hochzeit vom vorangehenden Monat (a. a. O. Nr. 10190.). 5 S. Hajdecki, Quellen ... a.a.O. Nr. 7357, 8723, 10296, 10335, 12155, 13025, 13140, 13224, 13477, 13539, 13583, 13935. 6 Im allgemeinen konnten die Maler — wie auch die übrigen Handwerkstätigen — mit etwa 20—21 Jahren selbstständig werden, das Bürgerrecht erwerben und Ehe schließen. 7 S. Leblanc, Ch.: Manuel de l'amateur d'Estampes. Paris, 1854. S. 11, und Fr i mm el, Th.: Kleine Galeriestudien. Wien, 1899. S. 11; O Zivote a umëni. Listy z Jaroméfické kroniky 1700—1752. Brno, 1974. S. 305, Abb. 58—59.