Radocsay Dénes - Gerevich Lászlóné szerk.: A Szépművészeti Múzeum közleményei 22. (Budapest 1963)

BENESCH, OTTO: Über den Werdegang einer Komposition Rembrandts

Um 1652, als das Geschwisterthema « Der Engel verlässt die Familie des Tobias » zu einem gewissen Abschluss kam, kehrt das Manoahthema wieder in einer Zeich­nung der Sammlung Gat hörne­Hardy (Benesch 895), in engem Anschluss an die New Yorker Tobias-Zeichnung Benesch 893 durch die Gestalt des emporschwebenden nackten Engels. Rembrandt befasst sich nun mit dem Thema in zunehmender Intensität, sichtlich auf eine grosse Bildfassung zustrebend. Die Zeichnungen Benesch 980, 974 und 975 entstehen um 1655. Die beiden letzteren spinnen den Gedanken des Tobiasthemas aus und vor allem das Stockholmer Blatt Benesch 1 189 bringt ihn zu monumentaler Konklusion : deutliche Vorstufe zu einem grossen Gemälde. Der fliegende Engel ist nun eine Korrektur des Himmelsboten des Louvrebildes von 1637, im Anschluss nicht mehr an Heemskerck sondern an Tintoretto entstan­den. Doch es kommt neuerlich nicht zum Abschluss in einem Gemälde. Vielleicht wieder wegen anderer Aufträge. Rembrandt befasst sich um 1(555 häufig mit Themen aus der römischen Geschichte und malt den grossartigen « Quintus Fabius Maximus» (Bredius 477), vielleicht für das neu erbaute Amsterdamer Rathaus. Jedenfalls überlässt er den Manoah-Gedanken einem seiner besten Schüler zur Durch­führung, der auf Grund der Entwürfe zunächst die Zeichnung (Abb. 44) der Sammlung Dr. Reinhart schuf. 3 In die Zeichnung wurde von Rembrandt mit der Rohrfeder und mit Deckweiss in der linken oberen Ecke kräftig hineingearbeitet. Er fügte dort die vom Zeichner offenbar nicht durchgeführte Gestalt des Engels ein, wie ein him­melfahrender Christus nur mit den Beinen sichtbar, umgeben von einer Wolkensof­fitte. Die Dunkelheit der kräftigen Rohrfederzüge hellte er mit dem Pinsel in Deck­weiss auf, so dass die Gestalt in Lichtglanz sich zu verhüllen scheint. Diese Zeichnung bildete nun die Grundlage für das Gemälde, ein Werk des gleichen anonymen Schülers. Es war schon Vorjahren von W. Martin 4 aus Rembrandts Oeuvre aus stilkritischen Überlegungen ausgeschieden worden. Sein stilkritischer Befund wird durch die Aussage der Zeichnungen unterstützt. Trotzdem reklamierte Rembrandt die Ausführung seiner Bildidee als sein Werk, denn der Schüler wurde verhalten, sie mit des Meisters Namen zu signieren und das Datum 1640 anzubrin­gen, den Zeitpunkt angebend, in dem die erste Ausführung erfolgen hätte sollen, offenbar aber nicht zustandekam. Rembrandt hielt seine Hand weiter über dem Bilde und überarbeitete dasselbe wie zuerst F. Saxl richtig erkannte. 5 Saxl irrte nur insoferne, als er an eine Überar­beitung eines eigenhändigen früheren Werkes durch den Meister in später Zeit dachte. Nichts gewährleistet die Entstehung des Bildes selbst im Jahre 1640, Die Zeichnungen, die, ob eigenhändig oder nicht, vor der Mitte der Fünfziger jähre nicht denkbar sind, schliessen dies völlig aus. 3 Ich habe sie in Band V meines Corpus noch als Nr. 976 unter die Originale aufge­nommen, aus denen sie ebenso wie die von der gleichen Hand stammenden Blätter Be­nesch 1007 und 1008 gestrichen gehört und der unter A 94 verzeichneten Gruppe von << Attributions » angeschlossen. Die Schwierigkeit der Entscheidung zwischen Meister und Schüler habe ich bereits im Text zu Benesch 1007, 1008 und A 96 a betont. Ich folge in meinem jetzigen negativen Urteil über Benesch 976 der Ansicht Werner Sumowskis, Bemerkungen zu Otto Beneschs Corpus der Rembrandt Zeichnungen II, Bad Pyrmont, 1961. p. 18. Vergleiche die Ausführungen desselben Autors über den Zusammenhang der Tobias- und der Manoah-Kompositionen in << Nachträge zum Reinbrandt jähr 1956 », Wissenschaft 1. Zeitschrift der Humboldt-Universität in Berlin, Gesellschafts-und Sprach­wissenschaft!. Reihe Jg. VII (1957/58) Nr. 2. 4 De hollandsehe Sehilderkunst in de zeventiende Eeuw, Bd. 2. Rembrandt en zijn Tijd. Amsterdam, 1936. p. 505. 5 Rembrandt's Sacrifice of Manoah. Studies of the Warburg Institute vol. 9. Lon­don, 1939.

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