Radocsay Dénes - Gerevich Lászlóné szerk.: A Szépművészeti Múzeum közleményei 22. (Budapest 1963)

BENESCH, OTTO: Über den Werdegang einer Komposition Rembrandts

ÜBER DEN WERDEGANG EINER KOMPOSITION REMBRANDTS EIS BEITRAG ZUR GESCHICHTE SEINES KÜNSTLERISCHEN DENKENS Bei einem Besuch des Budapester Kupferstichkabinetts in jüngster Zeit lenkte dessen verdienter Leiter, Herr Dr. Ivan Fenyő, meine Aufmerksamkeit auf eine bisher unbeachtete Zeichnung Rembrandtschen Gepräges, die er aus der so reichen Zeichnungensammlung mit sicherem Griff herausgezogen hatte (Abb. 35). Die nähere Untersuchung des mit zartester Kielfeder gezeichneten Blattes brachte mich rasch zur Überzeugung, dass es sich um ein bisher unbekanntes, doch un­zweifelhaftes Originalwerk des Meisters handle. Das Blatt ist 137x183 mm gross und stellt den Abschied des Engels von der Familie des Tobias dar. 1 Es gewinnt besondere Bedeutung dadurch, dass es in einer Kette von Werken Rembrandts steht, die diesem Thema gewidmet sind. Somit liefert es einen wichtigen Beitrag zur Frage der Entfaltung und Fortspinnung einer Bildidee, die, wie immer bei Rembrandt, einen Einblick in sein künstlerisches Denken gewährt. Am Anfang dieser Kette steht das dramatische Bild des Louvre von 1037 (Abb. 30). Die Zeichnung hat die Hauptakteure mit ihm gemein : der alte Tobit, der, überwältigt von der himmlischen Erscheinung, zu Boden sinkt, und die drei anderen Familienmitglieder, die durch den Lichtglanz geblendet werden und er­schrocken, teils in Abwehr, teils in Gebet, die Hände erheben. Die Szene spielt sich auf den Stufen vor dem Hause des Patriarchen ab. Tobias, nur in zartesten, wesent­lichsten Umrisslinien seiner Gestalt angedeutet, steht hinter Tobit, tiefer als die Frauen. Seine Gestalt wird en face sichtbar, seinen Kopf aber wendet er ab nach links, wobei er die Linke zum Schutz gegen den Lichtglanz erhebt. Die beiden Frauen stehen höher als er. Sara, noch den breitkrämpigen Reisehut tragend, ist vom Rücken gesehen. Sie prallt vor der Lichterscheinung zurück und erhebt abwehrend die Arme. Hinter ihr steht die alte Hannah ; bei dieser verwandeln sich Schreck und Erschüt­terung in Gebet, zu dem sich die Hände mit automatischer Gebärde erheben. Die Gebetsgebärde ist in dem Bilde von 1037 Sara verliehen, vollendet — in der Zeich­nung sehen wir erst den Beginn, den Ansatz zu dieser Gebärde, die dadurch doppelt überzeugend wirkt. Das Hündlein, der treue Reisebegleiter des Tobias, fehlt auch hier nicht ; es ist neben dem alten Tobit verhältnismässig am deutlichsten durchge­zeichnet, während alles Übrige sparsamste Andeutung bleibt. Die Gestalt des Engels fehlt völlig, eine Andeutung von ihr dürfte aber auf der Zeichnung zu finden gewe­sen sein. Das Blatt ist oben beschnitten. Der Beschneidung fiel rechts der Scheitel des Torbogens zum Opfer und links die Fortsetzung zweier dort anhebender Linien, die eine Erscheinung in der Luft ankündigen sollten. Diese Erscheinung fiel mit der Fragmentierung weg. 1 Inv. Nr. 58. 26. K. — Aus der Sammlung István Delhaes (Lugt 761).

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