Csánky Dénes szerk.: Az Országos Magyar Szépművészeti Múzeum Évkönyvei 10. 1940 (Budapest, 1941)

Johann Héjjas: Ein Gemälde Domenico Tintorettos in der städtischen Bibliothek zu Kecskemét

weises, dass der Meister die auf Kontrapost aufgebaute schöne Figur des hl. Johannes des Täufers von Tintoretto übernommen hatte. Doch die in der Darstellung des Gegen­standes und Raumes, sowie in der Formulie­rung der psychischen Elemente erkennbaren Unterschiede widersprechen krass nicht nur der Urheberschaft Tintorettos, sondern selbst der Möglichkeit einer Werkstattarbeit. Werfen wir nun einen Blick auf das Ge­mälde der Stadt Kecskemét und einen auf Tintorettos Taufe Christi in der Scuola di S. Rocco zu Venedig (Abb. 4.), um in diesen beiden Gemälden jene Verschiedenheiten festzustellen, die sich in der Art der Veran­schaulichung des Gegenstandes zeigen. Tinto­retto wiedergibt in seinem Bilde nicht ein Ereignis allein. Er trägt vielmehr eine ganze Geschichte vor und begnügt sich nicht mit der landläufigen Darstellung der Taufe, son­dern erzählt uns alles, was sich dort zugetra­gen hatte, oder — wie er wähnt — zugetra­gen haben mag. Deshalb führt er im Vorder­und Hintergrund des Bildes die Gläubigen vor, wie sie angefeuert durch Christi Bei­spiel, sich auf die Taufe vorbereiten. Die gleiche Funktion wird von jeder Person in einer anderen Weise verrichtet, und jede be­findet sich in einer von der anderen abwei­chenden Phase der Vorbereitung. Auf diese Weise veranschaulicht das Gemälde ver­schiedene Momente der gleichen Handlung und vermag dem Beschauer den Eindruck der Kontinuierlichkeit zu vermitteln. Wenn­gleich die Szene sich auf Erden abspielt, kann man kaum behaupten, dass Tintoretto eine Welt der Wirklichkeit dargestellt hätte. Figuren und Gegenstände folgen in ihrer räumlichen Gestaltung nicht den gewohnten optischen Gesetzen, sondern den Regeln einer eigenartigen Phantasie. Beispielsweise sind die Gestalten des zweiten und dritten Raum­viertels bedeutend kleiner, als es den Grössen­vorschriften der Perspektive entsprechen würde. Somit erscheint der Bildraum viel tiefer, als er es im Falle einer wirklichkeits­angepassten Darstellung wäre. Durch die un­gewöhnlichen Proportionen, die Tintoretto seinen Figuren des Hintergrundes verliehen hatte, verlegte er die Geschichte aus der Welt der Wirklichkeit in eine erdachte, durch Realitätsvorstellungen nicht ermittelbare Welt. Die im Besitze der Stadt Kecskemét be­findliche Komposition richtet sich noch nach dem alten ikonographischen Schema. Im Ge­gensatz zu Tintoretto stellt der Meister des Kecskeméter Bildes keine ganze Geschichte dar, sondern nur eine einzige Szene, die eben der Taufe. Einen auffälligen Unterschied zei­gen aber die beiden Taufen Christi auch in einer anderen Beziehung, denn während in dem Gemälde der Scuola di S. Rocco das Problem der illusionistischen Raumgestaltung im Vordergrund des schöpferischen Strebens stand, — so sehr dass „die kompositionelle Verwendbarkeit der Figuren fast nur mehr in ihrem Raumwerte besteht" 2 — spielen im Bilde der Stadt Kecskemét die Raum­probleme nicht einmal andeutungsweise eine Rolle, und der Hauptzweck des Meisters, die Szene der hl. Taufe möglichst wirklichkeits­getreu wiederzugeben, lässt sich deutlich er­kennen. Darum hatte wohl der Meister die Figuren und Gegenstände seines Bildes mit geradezu rohem Naturalismus dargestellt. Jesu Gestalt verlor ihre göttliche Grossartigkeit, und der Heiland dieses Gemäldes erscheint als Mensch irdischer Herkunft. Auch war unser Meister auf Natürlichkeit und Unmittelbarkeit der Bewegung seiner Gestalten bedacht. Die Be­wegungen der Figuren des S. Rocco-Bildes wirken hingegen kaum natürlich, wenngleich sie ausdrucksvoll sind. Hier gebärden sich die Figuren nicht, wie sie es in Wirklichkeit getan haben mochten; die übersteigerte Art ihrer Bewegungen erweckt in uns den Ein­druck, als wären diese Gestalten in ihren Handlungen von ausserhalb ihrer Person lie­genden, mystischen Kräften getrieben. Aber nicht nur Malart, Bildstruktur, Ton des Vortrages der beiden Bilder weichen von einander ab, ganz verschieden ist auch ihre Farbengestaltung. Das Goldgelb, die warmen roten, dämmerigen Töne des Venezianischen Bildes und das kalte Grau, die grünen Reflexe des Kecskeméter Gemäldes können nicht der gleichen Palette entstammt sein. Entgegen den strahlenden Farben der Tinto­rettoschen Komposition bedient sich der Ma­ler hier einer dunkelgehaltenen Farbenton­leiter, und in seinem tiefen, dumpfen Kolorit erklingt bereits die düstere Stimme des Sei­cento. Diese Eigenschaften der Farbe verra­ten deutlich, dass es sich um das Werk eines späteren Meisters handelt, eines Meisters, der den Kelch alter Formen mit neuem Wein zu füllen bemüht war. Und wenn wir nun un­ter Tintorettos Nachfolgern Umschau halten und fragen, wer wohl der Meister gewesen sein mag, wessen Malers Arbeiten mit unse­a Max Dvofak: Das Rätsel der Kunst der Brüder van Eyck. Jahrbuch der Kunsthist. Sammlungen des allerhöchsten Kaiserhau­ses, Wien, 1903. S. 196.

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