Hedvig Győry: Mélanges offerts a Edith Varga „Le lotus qui sort de terre” (Bulletin du Musée Hongrois des Beaux-Arts Supplément 1. Budapest, 2001)

MAYA MÜLLER: Schönheitsideale in der Ägyptischen Kunst

schema aufweisen! Bei den Weihgaben des Neuen Reiches wird der erotische Aspekt auch durch die dominierende Perücke und durch die Tatsache betont, dass der Hathorkopf oft von zwei Katzen flankiert ist bzw. dass auf den Fayen­ceplättchen aus den Hathorheiligtümern sehr oft Katzen dargestellt sind. 121 Die Hauskatze mit ihrem sehr auffälligen Paarungsverhalten galt schon in Ägypten als Verkörperung des weiblichen Sexualtriebs, der Attraktivität und Frucht­barkeit. Im Neuen Reich wurde der sexuelle Aspekt der Göttin darstel­lungsmässig zunächst in den Hathorkopf und die Figur der Katze ausgelagert und schliesslich in die ausländische Göttin der Sexualität, die nackte Qadesch. Der jugendliche Gesichtstypus der Könige der 18. Dynastie steht dem kindlichen Typus nahe und kann jederzeit in diesen übergehen. Gesichter, die nahezu kindlich wirken, finden sich hauptsächlich bei Thutmosis III., 122 Amenophis III. und Tutanchamun. Im vollen Sinn kindlich wirken einige Stat­uetten Amenophis' III., z.B. Boston MFA 1970.636 oder Lissabon Nr. 139. 123 Das Gesicht ist sehr rund und breiter als hoch, die Augen sehr gross, das Stup­snäschen kurz, die Lippen voll und das Kinn winzig in der nach hinten fliehen­den unteren Gesichtshälfte. Diese Merkmale erscheinen überdeutlich auch an den gemalten Köpfen aus dem Grab des Königs. 124 Der kindliche Typus Amenophis' III. entspricht genau dem Lorenz'schen Kindchenschema und wird als niedlich empfunden. Um in einem Gesicht einen kindlichen Eindruck zu erreichen, brauchten die Künstler nur bestimmte Eigenschaften, die der Grundtypus der Könige der 18. Dynastie, derjenige der "schönen jungen Frau", ohnehin hatte, zu verstärken: Sie mussten vor allem das Gesicht noch etwas breiter, die Augen grösser und das Kinn kleiner machen und die untere Geichtspartie zurücktreten lassen. Was Tutanchamun angeht, so stellt ihn das Holzköpfchen auf der Lotusblüte 125 noch als - nicht mehr ganz kleines - Kind dar, wie die fein gezeichneten, riesigen Augen und die aufgeworfenen, wie schmollend vortretenden Lippen beweisen. Die Goldmaske 126 zeigt das Gesicht eines sehr jungen Erwachsenen mit deutlich längerer Nase und gestrecktem, fast V-förmigem Untergesicht. Sie entspricht genau dem oben i: 'Pinch, a.a.O. (Anm. 61), Tf. 43-45. '"Bes. Kairo CG 578 (D. Laboury, La statuaire de Thoutmosis III, Aegyptiaca Leodiensia V, Liège 1998, C60, S. 208-211 ) und Berlin 2005 (Ägyptisches Museum Berlin, a.a.O. (Anm. 64), Nr. 554). m M. Müller, a.a.O. (Anm. 110), Bd. I - S. 38. ,2fl Amenophis III, a.a.O. (Anm. 89), S. 246f, Nr. 51bis. 125 Der kulturelle Monatsschrift, Februar 1961, Umschlag vorne (Frontalansicht); Treasures ofTutankhamun, Metropolitan Museum of Art, New York 1976, Tf. 1 (Profilansicht). l26 Desroches-Noblecourt, a.a.O. (Anm. 92), Abb. 73 (Profilansicht).

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