Hedvig Győry: Mélanges offerts a Edith Varga „Le lotus qui sort de terre” (Bulletin du Musée Hongrois des Beaux-Arts Supplément 1. Budapest, 2001)

MAYA MÜLLER: Schönheitsideale in der Ägyptischen Kunst

zugleich. Es ist anzunehmen, dass die Geste in der Realität weder vor noch hinter dem Rumpf, sondern an der Seite ausgeführt wurde, und zwar stets nach vorn gerichtet. Es scheint sich um eine symbolische Substitution der Geste der ithyphallischen Minstatuen zu handeln, die den erigierten Phallus halten, auch wenn sie nicht ganz identisch ist. In Privatgräbern kommt die "Schwanzgeste" selten vor. Es finden sich Beispiele bei Iinefer und Kaninisut, 46 wo der Grab­herr den Schwanz des Panthers und zugleich den Schaft des Zepters hinten am Körper festhält und der Kopf des Zepters an der Vorderseite des Körpers waa­grecht absteht; Iinefer trägt übrigens zwei Felle zugleich. Auf königlichen Reliefs hingegen ist die "Schwanzgeste" eher die Regel. In den Sedfestszenen aus dem Sonnenheiligtum Niuserres in Abu Ghurob erscheinen mehrere wichtige Offizianten im Pantherfell, die in nächster Nähe des Königs agieren und manchmal als Sem beschriftet sind und meistens Schwanz oder Pfote halten. 47 Der Sem kann sogar den Kultlauf des Königs mitmachen und dabei eine Götterstandarte tragen; auf einem Relieffragment im Metropolitan Museum (New York) hält er mit dem Standartenschaft zugle­ich den Pantherschwanz fest. 48 Ausserdem nimmt das Pantherfell auch in Form der Imiut-Standarte am Sedfest teil. Unter den Gottheiten sind es nur Iunmutef und Seschat, die das Pantherfell tragen. Iunmutef mit Schwanzgeste erscheint auf einem Türsturz Pepi s I. aus Bubastis, der in der Mitte den König zwischen Bastet und Hathor stehend zeigt; als flankierende Figuren, aber nach aussen zum Horusnamen des Herrschers gewandt, treten links ein Nilgott mit Hes­Flasche und rechts Iunmutef mit dem Lebenszeichen auf. 49 Offenbar ist Iun­mutef hier ein Spender von Fruchtbarkeit analog zum Nilgott. - Nach der Ersten Zwischenzeit kommt das Pantherfell nur noch selten vor bei Grabher­ren; sein Gebrauch beschränkt sich mit der Zeit auf den Sem- und Iunmutef­priester und die Göttin Seschat. In Ermangelung von Schriftquellen ist die Deutung des Pantherfells immer noch sehr problematisch. Es ist hier gewiss nicht der Ort, eine umfassende Untersuchung anzustellen, besonders, da wir nur eine einzige von mehreren denkbaren Funktionen oder Symbolwerten dieses Kleidungsstücks disku­tieren. Ein wichtiger Aspekt muss wenigstens noch erwähnt werden. Ich meine ! " Smith, a.a.O. (Anm. 44), Tf. 28A; Wolf, a.a.O. (Anm. 32), Abb. 187. " Kaiser, a.a.O. (Anm. 26), Falttafeln 4-5. '* Siehe Anm. 30. !.. llabaehi, Teil Basia, ASAE Suppl. Nr. 22, 1957. Tf. II (Kairo JE 72132. Oberfläche durchgehend berieben).

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