Hedvig Győry: Mélanges offerts a Edith Varga „Le lotus qui sort de terre” (Bulletin du Musée Hongrois des Beaux-Arts Supplément 1. Budapest, 2001)
MAYA MÜLLER: Schönheitsideale in der Ägyptischen Kunst
die Aggressivität oder Gefährlichkeit des Panthers. Sie ist bei einem grossen Raubtier von vorn herein gegeben und wird durch die in der Literatur des Neuen Reiches geläufige Redewendung "da wurde Seine Majestät wütend wie ein oberägyptischer Panther" bestätigt. Schon Westendorf vermutete, dass das Pantherfell ein Symbol der Fruchtbarkeit und der Erhaltung und Übennittlung der Lebenskraft sei. 50 Ich möchte es genauer so ausdrücken, dass das Pantherfell ein Symbol gesteigerter körperlicher Attraktivität des Trägers oder der Trägerin ist. Die Schönheit, Aggressivität und Potenz, die dem Tier so auffällig zu Gebote stehen, werden symbolisch auf den Menschen übertragen. Das Pantherfell hat offenbar von der 2. Dynastie bis zum Ende des Alten Reiches einen Wandel seines Gebrauchs durchgemacht. Ab dem Mittleren Reich brauchen es die Privaten kaum mehr, es bleibt aber präsent als Imiut-Fetisch und als Tracht derjenigen Priester, die die symbolische Wiederbelebung der Verstorbenen vollziehen. Wir möchten aber betonen, dass es schon in frühdynastischer Zeit und im Alten Reich nicht nur die Attraktivität einer Person im diesseitigen Leben signalisieren, sondern auch für das Jenseits Verjüngung und Neugeburt in Ewigkeit befördern sollte. Im Fall des Pantherfells wurde der körperliche Ausdruck von Sexualität auf ein tierisches Element verlagert, das aber zugleich den Körper des Trägers oder der Trägerin schmückt. Dieselbe Erscheinung sahen wir schon am König, dessen sexuelle Potenz durch den Stierschwanz dargestellt wird. Vielleicht kann auch das Rinder- und Widdergehörn der königlichen Federkrone als ein solches Substitut aufgefasst werden, da im Pyramidenspruch von der schönen Westgöttin das "aufstehende Horn" genannt wird (Pyr. 282). - Eine andere "Verlagerung", die besonders interessant ist in unserem Zusammenhang, ist der Austausch von Körpermerkmalen - physischen und symbolischen - zwischen Männern und Frauen, wie er in der frühdynastischen Epoche und im Alten Reich zu beobachten ist. Bei den Privaten geht es zunächst um das Pantherfellkleid: Das Pantherfell an sich ist, man erinnere sich an die "Schwanzgeste", ein männliches Element, das Kleid an sich ein weibliches, so dass eine Frau ein männliches Signal übernimmt, ein Mann aber ein weibliches. Im Fall des echten Pantherfells handelt es sich einseitig um die Übernahme eines s0 W. Westendorf, Beiträge aus und zu den medizinischen Texten, ZÄS 92 (1965), S. 134.