Hedvig Győry: Mélanges offerts a Edith Varga „Le lotus qui sort de terre” (Bulletin du Musée Hongrois des Beaux-Arts Supplément 1. Budapest, 2001)

MAYA MÜLLER: Schönheitsideale in der Ägyptischen Kunst

gehalten ist. 42 Allgemein ist zu bemerken, dass im Alten Reich keine idolarti­gen Frauenfiguren auftreten, wie sie in der Naqadazeit geläufig waren; es sollte sie erst im Mittleren Reich wieder geben. Bestimmte Trachtclemente, Gesten und Attribute sind als Symbole zu bechachten, die als Substitute körperlicher Reize dienten. Das wichtigste ist das Pantherfell, das von Grabherren und Damen des Alten Reiches häufig getragen wird. Es kommt in zwei Varianten vor, deren erste die Form eines engen, knöchellangen Kleides mit Pantherfellmuster hat und stets auf der einen Schulter einen grossen Tit-Knoten aufweist. Es wird recht oft von Män­nern und Frauen der 2.-4. Dynastie getragen, und zwar sitzender Weise in Speisetisch-Szenen. 43 Dieses Kleidungsstück ist heute fast nicht mehr wahrnehmbar, weil fast immer die gefleckte Fellmusterung, die nur gemalt war, fehlt. Wo sie aber noch vorhanden ist, realisiert man, wie auffallend und signal­haft das Pantherfell am Körper wirkt, wie z.B. bei der Prinzessin Neferetiabet im Louvre. 44 Es erinnert mich übrigens an Variété-Stars des mittleren 20. Jahrhun­derts, die für ihren Sex-Appeal berühmt waren und im Pantherfell auftraten, wie Josephine Baker und Zizi Jeanmaire. Es ist bemerkenswert, dass das frühe ägyp­tische Pantherfellkleid bei beiden Geschlechtern genau das gleiche ist, dass also die Männer in diesem Falle ein Frauenkleid tragen. Nach der 4. Dynastie kommt das Pantherfellkleid an Herren nicht mehr vor. Die andere Variante ist ein echtes Pantherfell, das ebenfalls mit einem grossen Tit-Knoten bzw. dem sehr ähnlichen Setjet-Knoten auf der Schulter befestigt ist. Dieses wird von der 4.-6. Dynastie oft von Männern und selten von Frauen getragen. 45 Ich vermute, dass es nicht nur imponieren oder Macht demonstrieren, sondern auch sexuelle Potenz signalisieren soll. Denn zum einen fällt auf, dass bei stehenden Männern, die das Pantherfell tragen, fast immer der Schwanz oder eine Pfote des Raubtiers genau zwischen den Beinen herunterhängt. Zum anderen ist die "Schwanzgeste" zu beachten, die die Träger von Pantherfellen manchmal vollführen, indem sie den Schwanz oder eine Pfote des Tieres waagrecht in der Faust auf Lendenhöhe halten, und zwar entweder an der Vorder- oder an der Rückseite des Körpers oder an beiden 4: W. Seipel, Gott, Mensch. Pharao, Ausstellungskatalog des Kunsthistorischen Museums im Künstlerhaus, Wien 1992. Nr. 38 (London BM Reg. Nr. 55723). 43 Cherpion, a.a.O. (Anm. 34), S. 185 (Liste von Männern mit Pantherfellkleid). 44 W. St. Smith, The Art and Architecture of Ancient Egypt, Harmondsworth 1958, Tf. 13 (Anonymer, Saqqara, 2. Dyn.); Schulz-Seidel, a.a.O. (Anm. 19), Abb. 5 auf S. 419 (Louvre E.15591, 4. Dyn.; Abb. seitenverkehrt). J5 Frau: Meresaneh 111., 4. Dyn., C. Vandersleyen, Das Alte Ägypten. Propyläen Kunstgeschichte, Band 15, Berlin 1975, Tf. XfX.

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