Hedvig Győry: Mélanges offerts a Edith Varga „Le lotus qui sort de terre” (Bulletin du Musée Hongrois des Beaux-Arts Supplément 1. Budapest, 2001)

MAYA MÜLLER: Schönheitsideale in der Ägyptischen Kunst

vom Künstler nicht als Ganzes konzipiert, sondern aus zwei separaten Teilen zusammengesetzt, die nicht wirklich koordiniert sind. Die obere und die un­tere Körperhälfte sind durch den oft geometrisch geformten, dreieckigen Schurz auseinandergeschnitten. Diese Erscheinung steht in Gegensatz zu den königlichen Figuren im Schendjut-Schurz, der sich an die Oberschenkel anschmiegt. An plastischen Standbildern "schöner Männer" sei die Serie des Chnumbaef in Boston genannt, 36 die zwei athletischen Standfiguren Neferseschemptahs in Saqqara, 37 welche in die Scheintür seines Grabs integriert sind, oder auch die Statue Ranofers mit schulterlanger Perücke. 38 - Nackte Männerstatuen, meist aus Holz, selten auch aus Stein, sind im späten Alten Reich recht geläufig. 39 Es wurde oben in Zusammenhang mit Bildern des königlichen Laufrituals schon erwähnt, dass die nackte Darstellung wenig überzeugend wirkt, weil die ganze Hüftpartie unartikuliert bleiben muss. Da keine Drehbewegung, also kein Kontrapost und keine natürliche Schrittstellung dargestellt wird, fällt bei nack­ten Statuen in Schrittstellung das Problem der Künstler mit der Beckenpartie stärker auf als bei den Figuren mit Schurz. Der weibliche Körper ist meist mit grösster Zurückhaltung und Strenglin­igkeit behandelt. Bei stehenden Figuren in Relief findet man in wenigen Fällen eine sensibler modellierte Hüft-Oberschenkelpartie. Leichte Ausbuch­tungen an Oberschenkeln, Bauch, Hüften und Hinterteil deuten Fettauflagen unter der Haut an und ergeben einen schwungvolleren Umriss, eine aufge­lockerte Form. 40 Eine Frauenstatue von höchster Qualität ist der Torso im Worcester Art Museum, 41 der den Mykerinos-Triaden ähnlich sieht und eine Dame von sehr hohem Rang darstellt. Das Ziel, ein sexuelles Schönheitsideal darzustellen, ist bei Reliefs und Statuen von Frauen nur andeutungsweise wahrnehmbar, besonders auch, weil das Gesicht überhaupt nicht einbezogen wurde. Nackte Figuren von Grabinhaberinnen sind sehr selten, mir wurde nur eine Holzfigur aus Sedment aus der 6. Dynastie bekannt, die überaus einfach "' R Gilbert, L'Unité de la statue égyptienne et l'unité de la statue grecque de type athlétique, CdE 29 (1954), Abb. 22 auf S. 206. " Schäfer-Andrae, a.a.O. (Anm. 24), Abb. auf S. 224. 18 Schäfer-Andrae, a.a.O. (Anm. 24), Abb. auf S. 235, und Langc-Hirmer, a.a.O. (Anm. 13), Tf. 53 (rechts). " Siehe Anm. 25. "' Cherpion, a.a.O. (Anm. 34), Tf. 16 (Chufuchaef); Das Alte Reich, a.a.O. (Anm. 22), S. 42; Simpson, a.a.O. (Anm. 34). Tf. XXV. 41 Do. Arnold, a.a.O. (Anm. 13), Abb. 6, S. 60 (1934.48).

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