Cseri Miklós, Kósa László, T. Bereczki Ibolya szerk.: Paraszti múlt és jelen az ezredfordulón - A Magyar Néprajzi Társaság 2000. október 10-12. között megrendezett néprajzi vándorgyűlésének előadásai (Szentendre: Szabadtéri Néprajzi Múzeum; Magyar Néprajzi Társaság, 2000)

KÓSA László: Múlt, jelen, jövő

Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft LÁSZLÓ KÓSA In den Jahren um Jahrhundert- oder sogar Jahrtausendwenden sind die Menschen mehr zum Nachsinnen geneigt als in anderen Zeiten. In diesem seelischen Zustand eine Chance entdeckend hat die Ungarische Ethnographische Gesellschaft eine Konferenz organisiert, die die Bestandsaufnahme ihrer Ergebnisse, die Erwägung ihrer jetzigen Lage und ihrer Zukunft zur Aufgabe hat. Zur weiteren Aktualität des Ereignisses trägt die Tatsache bei, dass Ungarn im Jahr 2000 das Millennium der ungarischen Staatsgründung feiert. Von diesen tausend Jahren fallen mehr als 200 auf die Geschichte der ungarischen Ethnographie. Zu Beginn betrachtete sie die Rekonstruktion der ältesten Periode der ungarischen Kultur als ihre Aufgabe. Später studierte sie die Kultur der breitesten Schicht der Gesellschaft, der Bauern, von der Annahme ausgehend, dass diese der ursprünglichste Teil der nationalen Kultur sei. Heutzutage beschäftigt sie sich vorwiegend mit historischen Forschungen und mit dem Leben der zeitgenössischen Gesellschaft. Dieser Weg der Wissenschaft entspricht den ethnographischen Wissenschaften, die sich in anderen Mittel- und Osteuropäischen Ländern entfalteten. Während dieser langen Zeit beteiligte sich Ungarn an zwei Weltkriegen, überlebte Revolutionen und Bürgerkriege, sein Territorium schrumpfte zu einem Drittel, das multikulturelle Land wurde zu einem ethnisch fast homogenen Land. Die Auswirkungen dieser Ereignisse auf die Geschichte der ungarischen Ethnographie blieben nicht aus, die Ethnographen konnten jedoch stets ihr Interesse für die internationalen wissenschaftlichen Strömungen beibehalten, die Forschung strebte nach internationalem Vergleich, obwohl in ihrem Mittelpunkt weiterhin das Studium der Kultur und Gesellschaft des eigenen Volkes stand. Die ersten Aufrufe wurden am Ende des 18. Jahrhunderts formuliert, die dazu führten, dass sich die ungarische Ethnographie, auf wertvolle Ergebnisse stützend, am Ende des 19. Jahrhunderts zur selbständigen Disziplin entwickelt hatte, und ihre eigenen Institutionen hervorbrachte. Das Ende des 20. Jahrhunderts ist die Zeit, in der bedeutende zusammenfassende Werke abgeschlossen werden, gleichzeitig trennt es Epochen. In unseren Tagen trennen sich die historische Forschung und das Studium der gegenwärtigen Zustände eindeutig. Das Bauerntum wird schon längst nicht mehr als "besonderes Untersuchungsobjekt" betrachtet. Diese Schicht ist nicht mehr mit dem Teil der Gesellschaft identisch, der in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Ungarn bestimmender gesellschaftlicher Faktor war. Die historischen, wie auch die zeitgenössischen Forschungen stehen in Wechselwirkung mit der Kulturanthropologie, die in Ungarn erst im letzten Jahrzehnt Fuß fassen konnte. Die Ansammlung von bedeutenden Erfahrungen, wertvollen Ergebnissen und die bewahrte offene Mentalität berechtigen uns zu hoffen, dass die ungarische Ethnographie ihre Stellung und Identität im Wettbewerb der Wissenschaften im 21. Jahrhundert weiterhin behalten kann.

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