Cseri Miklós, Füzes Endre (szerk.): Ház és ember, A Szabadtéri Néprajzi Múzeum évkönyve 12. (Szentendre, Szabadtéri Néprajzi Múzeum, 1998)

MERIKE LANG: Észt Szabadtéri Múzeum. Alapkoncepció és a fejlődés jelenlegi tendenciái

Merike Lang ESTNISCHES FREILICHTMUSEUM Grundkonzept und gegenwärtige Entwicklungstendenzen Das Estnische Freilichtmuseum, das zentrale Staatsmuseum für Volksbaukunst wurde im Jahre 1957 gegründet und im Jahre 1964 für das Publikum eröffnet. Das Gelände des Freilichtmuseums wurde aufgrund der historisch entwickelten ethnographisch-geographischen Regionen von Estland in vier Zonen geteilt: Nord­estland, Südestland, Westestland und die Inseln. Das provisorische Museumsprojekt setzte die Bewegungs­möglichkeiten zwischen den verschiedenen Regionen fest. Es bestimmte den Siedlungstyp in jeder Region mit Berücksichtigung der natürlichen Beschaffenheit des Museumsgeländes, wobei der Schwerpunkt auf der Vorstellung von ganzen Bauernhöfen als wesentliches Element der Ausstellung lag. Erstrebt war die Vorstellung der Entwicklung der Baukunst und der Innenausrüstung im Laufe der 18.-20. Jahrhunderte, der verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen der Bauern­schaft, sowie der lokalen Eigenarten in den Tätig­keitsbereichen. Kleinere ethnische Gruppen, wie die est­ländischen Schweden, russischen Altgläubigen vom lin­ken Ufer des Peipus-Sees sowie die Setus, sollten auch vorgeführt werden. Außerdem waren entsprechende gemeinschaftliche Gebäude - Kirche, Wirtshaus, Schu­le, Kramladen, usw. - vorgesehen. Die Ausstellung der Volksbaukunst mit 70 Gebäuden besetzt heute 66 ha von den 84 ha des Geländes des Estnischen Freilicht­museums. Als wichtigster Teil der Ausstellung wird die ausführliche Behandlung des Scheune-Hauses, eines einzigartigen Haustyps erachtet, das in Estland Jahr­hunderte lang vorherrschte. Die gegenwärtige finanzielle Situation des Landes ist für das Museum gar nicht vorteilhaft. Die Entwicklung des Museums wird durch das physische Altern der beste­henden 25-40 Jahre alten Ausstellung aufgehalten. Leider erlebte das Estnische Freilichtmuseum mehrere Male die schlimmste aller vorstellbaren Katastrophen: Feuersbrünste, bei denen 7 Originalgebäude völlig zer­stört wurden. Die Herstellungen von großem Umfang sowie die Aufräumungsarbeiten nach den Brandfällen bedeuteten schwierige Aufgaben für die Forscher des Estnischen Freilichtmuseums: 1. Rekonstruktion oder Ersetzen von abgebrannten Gebäuden: ideal wäre natürlich das Ersetzen der zer­störten Gebäude durch neue, Originalbauten gewesen. Das Problem wird aber komplizierter, wenn es nicht mehr möglich ist, entsprechenden Ersatz auf dem Lande zu finden, oder wenn es unmöglich wäre das chronolo­gische Konzept des noch vorhandenen Gebäudes zu ändern. In diesem Falle hat das Estnische Freilicht­museum eine Rekonstruktion aufgrund der zugänglichen Dokumentation als einzige Lösung in Betracht gezogen. Andererseits ermöglicht die Rekonstruktion zwei ver­schiedene Zugangsweisen: eine exakte Kopie zu errich­ten oder ein neues Haus mit wissenschaftlich motivierten Ersatzteilen und Ergänzungen zu bauen. Die letztere Möglichkeit wurde beim 1984 abgebrannten westestländischen Sassi-Jaani-Bauernhaus gewählt. 2. Änderungen in der Deutung der Ausstellung: Diese Fragen stellten sich im Zusammenhang mit mo­dernen Tendenzen in den Freilichtmuseen weltweit. Das Estnische Freilichtmuseum wurde mit diesen Fragen bei den umfänglichen Reparaturen und Rekonstruktionen konfrontiert. Die Frage stellte sich beim nordestländi­schen Kutsari-Hof vom Ende des 19. Jahrhunderts, wo die Vorstellung des relativ häufig vorgeführten 19. Jahrhunderts aufgegeben wurde. Dafür konnte dem Besucher Abwechslung in Form einer Ausstellung über das 20. Jahrhundert geboten werden. Die vollendete Innenausrüstung und äußere Erscheinung führen die 1940er Jahre vor Auge. Die Neudeutung des Kutsari­Hofes gab Ansporn, das Thema lebhafter und emo­tioneller zu gestalten. Es ist nichts Neues, dass die meis­ten Freilichtmuseen für die sterile Darstellung des Lebens bei ihren fiktiven Bauernfamilien bekannt sind. Das richtige Leben ist wesentlich banaler. Dabei kann man das Innere nicht so unordentlich einrichten, dass es aussieht, wie „wenn der Bauer nicht zu Hause ist", da es bei den Besuchern Verwirrung, Verlegenheit und unangebrachte Bemerkungen hervorrufen würde. Die Lösung war für uns die Inszenierung eines bestimmten historischen Ereignisses, die Deportation am 25. März 1949. Der Besucher fasst diese Ausstellung als thema­tisch eindrucksvollen Rahmen auf und die museologi­sche Absieht betreffend Ordnung-Unordnung steht nicht im Vordergrund. Ein anderes Deutungsproblem tauchte bei der Rekonstruktion des Sassi-Jaani-Hofes auf, der 1993 beendet wurde. Im Scheune-Haus war vor dem Brand eine Hochzeit vorgeführt. Zuerst wurde das selbe Ereignis im rekonstruierten Gebäude zur Schau gestellt. Der große, dunkle Raum mit frischem Holzgeruch ließ jedoch den Besucher gleichgültig. Mit Bedauern haben wir festgestellt, dass in den Inneneinrichtungen des Freilichtmuseums bloß die fiktiven Bewohner und ihr Leben gesucht waren, was sie geschafft haben und was ihre Lebensweise bestimmt hat, waren jedoch für den Besucher uninteressant. Da die Bauten im Sassi-Jaani­Hof wunderbare lebensgroße Modelle vor Auge führten, haben wir entschlossen, aus ihnen Gebrauch zu machen. Jetzt kann der Besucher eine kurze Einführung in die estnische Volksbaukunst mit Hilfe von Zeichnungen und kurzen Erläuterungen erleben, wobei jedes interessante

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